Chello von Jet2Web-Angriff nicht beeindruckt
Wie die FutureZone heute Vormittag berichtete, hat Jet2Web ein Angebot für Telekabel-Kunden vorgelegt, das diesen den Umstieg auf ADSL [Aon Speed] schmackhaft machen soll.
Konkret werden Einleitungs- und Installationsgebühr erlassen sowie Telefon- und ADSL-Grundgebühr der ersten drei Monate gestrichen. So sollen sich Kunden im ersten Jahr rund 2.000 ATS ersparen.
Erstmals Frontalangriffe
Die neue Kundenakquisitions-Offensive ist eindeutig gegen den
Platzhirsch im Privatuser-Breitbandgeschäft, Chello, gerichtet.
Erstmals in der ISP-Geschichte Österreichs werden aggressiv Kunden
eines Konkurrenten abgeworben. Die Ersparnis für Kunden wird von
seiten Jet2Webs auch mit vergleichenden Rechenbeispielen unterlegt.
Frontalangriff von Jet2Web auf ChelloChello zeigt sich unbeeindruckt
Chello [UPC Telekabel] ist bis dato allerdings unbeeindruckt vom Jet2Web-Vorstoß und ortet Schwachstellen im vorliegenden Angebot. Der von der TA gezogene Vergleich halte einer genauen Prüfung nicht Stand, meint UPC-Telekabel-Sprecher Gustav Soucek.
Fixe Bandbreiten und damit eine gesicherte Download-Rate von 512 Kilobit pro Sekunde, wie sie von der TA garantiert werde, seien im Ortskabelnetz schon aus "physikalischen Gründen" nicht realistisch: Mit der steigenden User-Zahl sinke automatisch die verfügbare Bandbreite, so Soucek.
Jet2Web stolz auf Internet-Backbone
Jet2Web wirbt mit seiner Netzqualität und vergleicht die Topologie des TA-Backbones mit der des Chello-Netzwerkes. "Bei uns hat jeder Kunde seine fixe Connection. Bei Chello hängen Kunden in 10-Megabit-Zellen zusammen und müssen sich diese Bandbreite teilen", sagte heute etwa Jet2Web-Marketingchef Paul Strasser.
Wohin der Angriff von Jet2Web zielt
Zusammen mit dem Downloadlimit, an dem Jet2Web eisern festhält, kann Jet2Web gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Nicht nur werden "einige tausend User", so die Erwartungen, abgeworben.
Gleichzeitig werden nur "qualitative" Low-Volume-User akquiriert. Das Downloadlimit schreckt User mit einem Datenaufkommen von mehreren Gigabyte monatlich ab. Diese bleiben bei Chello und belasten weiterhin deren Netz.
Überlastete Leitungen bei Chello
Die wenigen Dauer-User sind, wie von Chello kürzlich
angesprochen, das Hauptproblem für schlechte Verbindungen. Die
Leitung nach Amsterdam, klagt UPC Telekabel, werde mit bis zu 250
Megabit/Sekunde belastet.
Chello erhöht Gebühren"Tarife nicht vergleichbar"
Dem TA-Backbone spendet Soucek nicht nur Lob. Das Telekom-Basisnetz sei zwar "altgedient", die Telekom lasse aber alle ihrer Dienste, von der Sprachtelefonie bis zum Datenaufkommen der Datakom, über dieses Netz laufen. Eigene Fasern für den Internet-Verkehr habe die Telekom im Gegensatz zu Chello nicht reserviert.
Zudem sei im ADSL-Paket zwar die Telefongrundgebühr inkludiert, die dazugehörige Tarifklasse sei jedoch der Standardtarif, bei dem die Sprachtelefonie in Impulsen abgerechnet werde. Telekabel hingegen rechne bei seinem Kombiangebot "Chello und Priority" die Gesprächszeit in Sekunden ab, betonte Soucek.
80.000 vs. 50.000 Kunden
UPC Telekabel mit Standorten in Wien, Klagenfurt, Graz und Baden bei Wien hatte Mitte vergangenen Jahres knapp 80.000 Chello-User. Zum Vergleich: Jet2Web hat 39.000 Kunden und 11.000 Anmeldungen in der Pipeline.
Rätselraten um Innsbrucker Kunden
Unklar ist bis dato noch, ob auch Innsbrucker das Jet2Web-Angebot annehmen können. In Innsbruck wird das Chello-Netz vom Vertriebspartner Telesystem Tirol betrieben.
Im TA-Angebot sei nur von UPC Telekabel die Rede, so Soucek. Daher dürften Chello-Kunden in Innsbruck das TA-Offert nicht in Anspruch nehmen können, mutmaßt man bei der UPC Telekabel.
Ombudsmann mit vernichtendem Urteil
Beim Internet-Ombudsmann kommen jedenfalls beide Provider gleich
schlecht weg. In einer aktuellen Veröffentlichung beklagt der
Ombudsmann schlechtes Service und ebensolche Hotlines.
Internet-Ombudsmann kritisiert Aon & Chello
