Innenministerium forscht Cracker aus
"Der Spezialeinheit zur Bekämpfung der Computerkriminalität des Innenministeriums, die seit Tagen vor dem neuerlichen Auftreten von Viren warnt, gelang am Samstag ein weiterer Schlag gegen Hacker im Netz", heißt es in einer heutigen Aussendung des Innenministeriums.
"Ein ranghohes Mitglied einer Internet-Untergrundorganisation", so der Bericht weiter, "wurde von den Beamten der Abteilung II/16, Informationstechnologie/Beweissicherung, ausgeforscht."
Der Verdächtige hat demnach diverse österreichische Webseiten gecrackt und unter anderem an die eingetragenen Adressaten einer Mailing-List ein Derivat des Love-Letter-Virus verschickt.
Love-Virus immer noch aktuell
Dieses Virus, das tatsächlich an über 570 Adressaten einer
Mailing-List verbreitet wurde, löscht nicht nur wichtige Dateien auf
den befallenen Rechnern, sondern macht in weiterer Folge den Zugriff
auf den Computer durch seinen Besitzer nahezu unmöglich.
Bundesministerium für Inneres"Computernetzwerk vorgefunden"
"Nach umfangreichen, technisch schwierigen Ermittlungen, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sichere Informationstechnologie Austria [A-SIT] geführt wurden", wurde am Samstag bei einem 23-jährigen Programmierer aus Salzburg eine Hausdurchsuchung durchgeführt.
"Dabei wurde ein Computernetzwerk vorgefunden und beschlagnahmt", so die Aussendung im O-Ton, "das u.a. zum Cracken von Passwörtern auf Webservern, zum Hacken von PCs und Servern und zur Erstellung von hochgefährlichen Viren eingesetzt wurde."
Die Beamten konnten Computerdaten, Literatur und Datenträger sicherstellen.
Der Love-Letter-Virus verursachte letztes Jahr in Österreich einen Schaden in Millionenhöhe. Der Schaden durch den Programmierer betrug "trotz der raschen Ermittlungen" rund 25.000 ATS. Der Salzburger befindet sich nach umfangreichen Einvernahmen auf freiem Fuß und wird nach Abschluss der Ermittlungen wegen Verdachts der Datenbeschädigung zur Anzeige gebracht werden.
Digitale, kriminelle Vereinigung
Auf "Hochtouren" laufen die "Nachforschungen zu jener Untergrundorganisation im Internet", der der 23-jährige Salzburger "zugerechnet" wird.
Es sei das erste Mal, dass "diese Hacker-Gruppe" in Österreich aufgetreten ist, sagte Bernhard Otupal von der Spezialtruppe des Innenministeriums der APA.
Es handle sich um eine Organisation, die zumindest formal die "Freiheit des Internets ohne Kontrollen von außen auf ihre Fahnen geheftet" habe.
In der "hierarchisch gegliederten Gruppe" müssten sich "die Mitglieder durch 'Aktionen hinaufarbeiten'". Es gebe bisher allerdings nur äußerst spärliche Anhaltspunkte für Ermittlungen.
