11.02.2001

VISIONÄR

Pionier der Künstlichen Intelligenz verstorben

Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert A. Simon, ein Sohn deutscher Einwanderer, ist am Freitag im Alter von 84 Jahren gestorben.

Simon hatte 1978 den Wirtschaftsnobelpreis für eine neuartige Theorie der Entscheidungsfindungen in wirtschaftlichen Organisationen erhalten. Er galt auch als der Vater der Forschung im Bereich künstlicher Computerintelligenz.

Simon hatte bereits Mitte der fünfziger Jahre mit Allen Newell von der Rand Corporation versucht, menschliches Verhalten auf Computern zu simulieren, berichtete die "New York Times" am Samstag in ihrem Nachruf. Die beiden wollten die Rechner dabei mit einer Art künstlicher Intelligenz ausstatten.

Optimismus

In einer wissenschaftlichen Abhandlung aus dem Jahr 1957 prognostizierte Simon, dass innerhalb von zehn Jahren ein digitaler Computer Schachweltmeister werden würde.

In absehbarer Zeit werde es Maschinen geben, die Denken und Lernen könnten und Aufgaben gewachsen wären, die den Anforderungen an das menschliche Gehirn entsprechen, hatte er damals betont.

Es sollte allerdings drei Jahrzehnte länger dauern, ehe der IBM- Supercomputer "Deep Blue" den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte. "Ich fühle mich noch immer gut im Hinblick auf meine Prognose, allerdings war der Zeitrahmen etwas kurz", erklärte Simon nach Angaben der Zeitung.

Simon wurde am 15. Juni 1916 in Milwaukee geboren. Er schrieb zahlreiche Bücher. Seine Standardwerke "Models of Bounded Rationality", die seine wirtschaftswissenschaftlichen Abhandlungen enthalten, und "Sciences of the Artificial" über die Künstliche Intelligenz gelten als klassische Werke in ihren jeweiligen Gebieten.