Polit-Aufregung um einen Hyperlink
Jetzt hat auch Österreich seinen "Skandal" um einen "Hasch-Link". Wenige Wochen vor der Wiener Wahl ortet die Wiener Junge ÖVP diesen "Skandal" und den "Hasch-Link" auf der Homepage der Sozialistischen Jugend Österreichs [SJ].
Ziel der Kritik sind mehrere Links zum Thema "Cannabis" auf der Website der SJ. Besonders ein Link zu einem FAQ "über den Anbau von Hanf" ist den Jungkonservativen ein Dorn im Auge.
Besagter FAQ beantwortet vielerlei Fragen von der "Beschaffung von Jungpflanzen" über die Aufzucht ["Beleuchtung", "Umtopfen"] bis hin zur Ernte und ihre Verabreitung.
Die Kritiker im O-Ton
Markus Kroiher, Obmann der Jungen ÖVP Penzing, die den "Skandal" heute publik gemacht hat, liess verlauten: "Hier wird allen Ernstes auf der Homepage der Jugendorganisation einer demokratischen Partei gezeigt, wie Pflanzen angebaut werden, die zur Drogenproduktion verwendet werden können. Wir erwarten uns, daß hier umgehend Konsequenzen gezogen werden!"
Der Chef der FPÖ-Jugendorganisation "Ring Freiheitlicher Jugend" zeigte sich ebenfalls "bestürzt über die Tatsache, dass auf der Homepage der Sozialistischen Jugend gezeigt wird, wie Pflanzen angebaut werden, die zur Drogenproduktion verwendet werden... Diese unverantwortliche Aktion zeigt einmal mehr, was im Falle einer rot-grünen Koalition auf uns zukommt und dass unsere Jugend vor diesen sozialistischen Drogenpropagandisten geschützt werden muss."
SPÖ distanziert sich "aufs Schärfste"
Die Wiener SPÖ betonte, man verurteile selbstverständlich Anleitungen zum Hanfanbau auf Internet-Homepages auf das Schärfste. Allerdings handle es sich bei der Anleitung nicht um die Homepage der Sozialistischen Jugend, betonte der Sprecher der Wiener SPÖ, Harry Schranz.
Außerdem sei die SJ eine eigenständige Rechtspersönlichkeit. Die SP-Wien lege jedenfalls Wert auf die Feststellung, dass hier nichts im Einflussbereich der Landespartei geschehen sei.
"Wir distanzieren uns auf das Schärfste", so Schranz.
Polizei sieht Straftatbestand
Im Wiener Sicherheitsbüro sah man sich ebenfalls veranlasst, Stellung zu nehmen. Die Beamten der Suchtgift-Polizei kritisieren vor allem, dass im FAQ unter Punkt 4. eine genaue Anleitung zur "Verarbeitung der Ernte" bezüglich "Fermentierung", "Haschisch Herstellung" und praktische Tipps zur Verbesserung des Rauchs gegeben werden. "Das ist ziemlich eindeutig ein Verstoß gegen den Paragraphen 29 des Suchtmittelgesetzes", erklärte dazu ein Suchtgift-Spezialist des Sicherheitsbüros. Zumindest der Tatbestand der "Billigung" wenn nicht des "Gutheißens" der Herstellung von Drogen werde erfüllt. "Der Strafrahmen beträgt bis zu sechs Monaten Haft oder 360 Tagessätzen."
Rot, Grün & Gelb = Rastafarben
In Deutschland gab es im Sommer des Vorjahres einen ähnlichen "Skandal": Die Grünpolitikerin und Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Christa Nickels, linkte auf ihrer Homepage auf Sites, die Gebrauchsanweisungen zum illegalen Haschischkonsum enthielten.
Unter dem Druck der Opposition löschte die Politikerin schließlich den Link.
Drogenbeauftragte linkt zu HaschrezeptenKurze Zeit später sorgte in Deutschland auch die Site "www.bekifft-ficken.de" für Schlagzeilen. Vor allem als bekannt wurde, dass dahinter die Jugendorganisation der schleswig-holsteinischen FDP stand, die damit für die Freigabe von Haschisch werben wollte.
Wirbel um "bekifft-ficken.de"
