Microsoft gegen Software- und Musikpiraten
Der Softwarekonzern Microsoft setzt derzeit Schritte gegen Piraterie von Software- und Musikcontent.
Ohne viel Aufhebens ist das Unternehmen gerade dabei, einen führenden Platz im Content-Protection-Geschäft einzunehmen. Geheimnis des Erfolges: die nahtlose Integration ins Betriebssystem.
In den letzten Monaten haben die meisten größeren Musiklabels Songs im Windows-Media-Format zur Verfügung gestellt. Grund für die Affinität zu Microsofts Audio/Video-Format ist der eingebaute Kopierschutz, generell auch DRM [Digital Rights Management] genannt.
Musikindustrie ist entzückt
"Was Microsoft getan hat, kommt meinen Wünschen mehr als alles
andere entgegen", freut sich Jay Samit, Senior Vice President der
EMI-Gruppe. "Sie machen den Musikkauf genauso einfach wie den
Musikdiebstahl."
MicrosoftZahlen oder nicht zahlen
Die Umstände sind allerdings noch nicht ganz ausgereift. Für einen Song müssen umgerechnet bis zu 60 ATS gezahlt werden - Unsummen im Vergleich zu existierenden freien, wenn auch nicht ganz legalen Tauschbörsen wie Napster. Das ist, sind sich Analysten einig, überhaupt der fundamentale Fehler in der DRM-Technologie: Es gibt bereits Abermillionen Songs im Netz, die frei von jeglichem Kopierschutz sind.
Die Idee, Songs, Filme oder anderen digitalen Content vor unerwünschtem Kopieren zu schützen, ist seit jeher Anlass für kontroversielle Debatten. Mehrere Unternehmen wie InterTrust und IBM haben bereits ein Auge auf den Content-Protection-Markt geworfen. Microsoft könnte, dank Inkorporation ins Betriebssystem, als klarer Führer hervorgehen.
Kernelement in Windows
Genau das ist geplant: "Wir sehen Windows Media und Digital Rights Management als ein Kernelement im Betriebssystem", so Michael Aldridge, Produktmanager für Microsofts Digital Media Division. "Das wird eine Kerntechnologie für alles, was im Web verbreitet wird."
Secure Audio Path gegen unbeabsichtiges Kopieren
Weitere Technologie könnten in die nächste Windows-Version Eingang finden: beispielsweise der so genannte Secure Audio Path, der den Output einer Soundkarte dermaßen verschachtelt, dass die Songs nicht aufgezeichnet und kopiert werden können.
Microsoft und die Musikindustrie hoffen, dass mit einer Art legalen Version von Napster die User für Songs zahlen werden. Ein schwieriges Vorhaben, meinen Analysten. "Napster ist nicht unbedingt etwas Böses", meint Microsoft-Manager Aldridge. "Es fehlt eben das Digital Rights Management."
Auch gegen Softwarepiraten
Auch an der Software-Front soll der Piraterie ein Riegel
vorgeschoben werden. "Künftig können die Softwareprodukte nicht auf
beliebig vielen Computern installiert und gestartet werden",
verkündet Microsoft Österreich in einer Aussendung. "Das trägt zur
Verringerung von Softwarepiraterie durch mehrfach genutzte Lizenzen
bei."
Kopierschutz von kommendem Windows gecracktFreischaltung per Telefon oder Netz
Ausgangspunkt ist eine von Microsoft neu eingesetzte Technologie zur Aktivierung der Programme, die - wahlweise anonym - per Telefon oder Internet erfolgt. Dieser Vorgang soll einer der häufigsten Formen von Softwarepiraterie vorbeugen: dem als "Casual Copying" bezeichneten Raubkopieren von Programmen.
Microsoft hat die Produktaktivierung erstmals vor zwei Jahren eingesetzt. In sechs Ländern, darunter den USA, wurde die Technologie bereits erfolgreich in Einzelhandelsversionen von Office implementiert.
Piraterie ruiniert Industrie
"Softwarepiraterie schadet Verbrauchern und Wirtschaft", beklagt Microsoft. Laut einer im Auftrag der Business Software Alliance [BSA] durchgeführten Studie der International Planning and Research Corporation [IPR] verursachte Softwarepiraterie im Jahr 1999 weltweit Schäden in Höhe von 191 Mrd. ATS. In Österreich lag der verursachte Schaden im Jahr 1999 bei über einer Mrd. ATS.
