US-Außenministerium weitgehend offline
Wenn ein Beamter des US-Außenministeriums einen Bericht an die Chefetage im siebenten Stock machen will, muss er einen Kurier mit Papierkopie und Computerdiskette losschicken, da das Ministerium über kein sicheres hauseigenes E-Mail-System verfügt.
Die altmodischen Kommunikationswege im diplomatischen Hauptquartier der Supermacht sind nur ein Symptom. Veraltete Technik, verfallende Botschaftsgebäude und demoralisierte Mitarbeiter prägen die Stimmung.
Allzu abgehoben vom Kader zogen Chefdiplomaten wie James Baker und Madeleine Albright die Fäden der Außenpolitik. Der neue Außenminister Colin Powell tritt ein schwieriges Erbe an, doch er hat seinen Mitarbeitern einen Neuanfang und eine umfassende Modernisierung versprochen.
US-AußenministeriumRattenlöcher
Zwei politische Institute nahmen das Außenamt unter die Lupe und kamen zu einem niederschmetternden Ergebnis.
Das State Department leide unter langjähriger Misswirtschaft, miserabel unterhaltenen Gebäuden und unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen, diagnostizierten das Council for Foreign Relations und das Center for Strategic and International Studies.
Die meisten Mitarbeiter hätten nicht einmal Zugang zum Internet.
Rund ein Viertel der etwa 250 Außenstellen seien "überbevölkert", 88 Prozent der Botschaften erfüllten nicht die Sicherheitsauflagen. Die Gebäude glichen Rattenlöchern, schimpfte gar ein früherer NATO-Botschafter.
Datengau im US-Außenministerium
