03.02.2001

TANTE JUTTA

Bildquelle: www.zazie.at

Betreff: Offene Mail an die PR-Community

Erst einmal bitten wir, liebe Kolleginnen und Kollegen von Agenturen und Pressestellen um Nachsicht, dass wir diese Form gewählt haben, um mit Ihnen einmal vice versa zu kommunizieren.

Wir wollten unserem Respekt vor soviel Fleiss, Geduld und Zähigkeit, mit der sie tagein, tagaus mit uns kommunizieren, nur einmal öffentlich Ausdruck verleihen.

An Ihnen, liebe Birgit S., bewundern wir ganz besonders, wie nimmermüd sie Ihre Mails auch weiterhin an uns versenden, obwohl sich der Response unsererseits in äußerst engen Grenzen hält.

Wer ratet mit

Was mag wohl heute wieder drinnen stehen, denken wir oft und wünschen dann, wir hätten Zeit genug, die fehlenden Subjects Ihrer Mails - bei Ihnen heißt dieses leere Feld wahrscheinlich "Betreff" - für ein internes Ratespiel zu nützen. Doch das treiben uns in schöner Regelmäßigkeit immer neue Nachrichten aus, die ins Redaktionsstübchen strömen.

"...der Beilage entnehmen können"

Sie, verehrte Karin D., schreiben ins Textfeld ihrer Mail ausser schönen Grüßen wenigstens hinein, dass etwa ein geniales Geschäftsmodell, welches kurz vor seinem europäischen Durchbruch steht, dem neuen Online-Powershopping-Konzept ihres Kunden Kaufen-wir-den-Krempel.com zu Grunde liegt.

Sodann verweisen Sie darauf, dass wir alle Details "der Beilage entnehmen können." Das tun wir zugegebener Maßen nicht wirklich immer, sondern eher selten und eben jetzt gerade wieder nicht.

Der Grund dafür ist, dass es neben Ihrer Post noch ein paar Dutzend Mails von anderen Agenturen gibt.

Ein genialer Business case

Diese zum Beispiel, die wir vor uns haben, beschreibt im Textfeld detailliert, welch genialer Business Case, der kurz vor seinem globalen Durchbruch steht, dem neuen Online-Powershopping-Konzept von Lasst-uns-den-Mist-doch-kaufen.com zu Grunde liegt.

Prima Logos in jeder Mail

Interessant finden wir zwar generell, daran erinnert zu werden, dass neben der litteralen die grafische Komponente im Netz nicht zu unterschätzen ist.

Wir wissen schon, verehrter Herbert K., dass sowohl Ihre Agentur wie Ihre Kunden prima Logos haben, nur brauchen wir sie halt nicht immer und in jeder Mail.

Vor allem deshalb nicht, weil wir sie ebenso selten sehen, wie attachierte Power-Point-Präsentationen und hoch auflösende Beweise, dass dieser neue Vize-Präsident und jener CEO noch über tadelloses Beißwerkzeug verfügt.

Interaktiv und intensiv genug

Mit Ihnen, trotzdem hoch verehrte Frau Susanne D., war die Kommunikation für unseren Geschmack allerdings interaktiv und intensiv genug. Besonders, wenn Sie alle Mitglieder der Redaktion nacheinander und mehrmals an den Diensthandys angerufen haben. Weil Teleworking nun einmal ständige Erreichbarkeit bedingt, haben Sie sehr oft und zäh und äußerst erfolgreich kommuniziert, dass es ein Fehler wäre, würden wir ihren Kunden nicht umgehend kontaktieren.

Interplanetarer Durchbruch

Wir haben den neuen CEO von Jetzt-kaufen-wir-den-ganzen-Mist-aber-wirklich.com noch am selben Tag erreicht. Um ihm mitzuteilen, dass wir über sein Online-Powershopping-Konzept, welches kurz vor dem interplanetaren Durchbruch steht, leider so lange nicht berichten können, wie unsere interne Kommunikation dermaßen im Argen liegt.

In der Hoffnung auf weiterhin ausgezeichnete Kommunikation sehen wir Ihrer eventuellen Antwort gern entgegen

Im Auftrage der Redaktion FutureZone

tante.jutta@orf.at