Pädagoge warnt vor "Monokultur des Spielens"
Im Vorfeld der Internationalen Spielwarenmesse, die vom 1. bis zum 6. Februar in Nürnberg stattfindet, meldet sich auch die Debatte um den pädagogischen Nutzen oder Schaden digitaler Spiele wieder in der Öffentlichkeit.
In einer "von Videospielen dominierten Welt" müssen Kinder nach Ansicht von Experten bewusst an klassische Spiele herangeführt werden. "Es hat sich heute im Kinderzimmer eine Monokultur von Video- und Elektronik-Spielen entwickelt", sagte der Psychologe Prof. Wolfgang Roth
Im Schnitt verbrächten viele Kinder heute mehr als eine Stunde täglich mit Videospielen.
Besonders im Alter zwischen neun und 13 Jahren seien Kids von Videospielen fasziniert - das werde von den Medien und der Werbung unterstützt, meinte Roth, der zugleich Vorstandsmitglied des "spiel gut - Arbeitsausschusses Kinderspiel und Spielzeug" ist.
"Das ist so, als ob ein Kind nur Kuchen essen würde und nichts anderes. Eltern müssen da bewusst gegensteuern." Wichtig ist laut Roth, dass Kinder eine breite Palette an Spielzeugen ausprobieren könnten, um ihre Talente zu entdecken. Dem 1954 gegründeten Ausschuss "spiel gut" gehören Pädagogen, Psychologen, Ärzte und Fachleute an. Sie bewerten Spielzeug auf Material, Verarbeitung und Spielwert und verleihen dafür das Zeichen "spiel gut".
"spiel gut"Ausgewogene Mischung empfohlen
"Die Elektronik ist zum Symbol für Erwachsenwerden geworden, und alle Kinder wollen erwachsen werden. Früher war ein Junge wie Papi, wenn er ein Spielzeugauto besaß. Heute muss er einen Computer haben", erläutert Spiel-Experte Roth.
Videospiele seien keineswegs zu verteufeln, aber sie vermittelten dem Kind keine Bewegungsmöglichkeiten und wenig direkte Erfahrungen. "Das Kind wird zum Bediener des Spielzeugs, ist aber nicht mehr Spieler", kritisiert Roth.
Nach Ansicht des Psychologen ist die richtige Mischung aus verschiedenen klassischen Spielzeugen und Computerspielen entscheidend.
Der Psychologe rief Eltern auf, mehr Verantwortung für das Spielzeug ihrer Kinder zu übernehmen und vor allem mehr Zeit für Kinder zu erübrigen. "Eltern und Erzieher müssen dem Kind zeigen, dass es auch Spaß machen kann, mit einem still stehenden Brettspiel-Kasten zu spielen." Auch Spiele im Freien mit Bumerang, Drachen, Federball oder dem Kick-Roller seien zu empfehlen. Wichtig sei aber auch, dass Kinder für sich alleine Denk- und Geduldspiele üben könnten, um Erfolgserlebnisse zu haben. Und auch die klassischen Kuscheltiere seien keineswegs out: "Kinder brauchen sie für ihre Emotionalität."
Internationale Spielwarenmesse
