Bartenstein fordert "Digitale Gründerzeit"
Das österreichische E-Business erhält neue Impulse. Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein [ÖVP] hat ein 220 Seiten starkes Maßnahmenpaket präsentiert, das im letzten halben Jahr unter dem Schlagwort "Let's e-biz" von rund 300 Experten erarbeitet wurde.
Vorgesehen sind darin 35 konkrete Projekte und legistische Maßnahmen - so unter anderem die Gründung von "E-Kompetenzzentren" in Wien, Graz und Salzburg, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten, die Erhöhung der "E-Kompetenz" für Frauen durch verstärkte Information sowie der Ausbau des heimischen Breitbandnetzes.
Wirtschaft trägt Großteil der Kosten
Mit der Umsetzung der Maßnahmen soll laut Bartenstein noch im
ersten Halbjahr 2001 begonnen werden. Insgesamt stellt das
Ministerium heuer 100 Mio. ATS [7,27 Mio. Euro] für diese Vorhaben
zur Verfügung. Ein Großteil der Projekte soll jedoch von der
Wirtschaft finanziert werden. Bei den Kompetenzzentren
beispielsweise würden zunächst noch 60 Prozent der Investitionen von
der öffentliche Hand getragen, in drei bis vier Jahren sollten sich
diese Einrichtungen bereits selbst finanzieren, erklärte Bartenstein
dazu vor Journalisten. Die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen
kann über die
Homepage des Wirtschaftsministeriums mitverfolgt werden"Digitale Gründerzeit"
Ziel der Initiative sei es, die heimische Wirtschaft in die "digitale Gründerzeit" einzuführen. Vor allem die Klein- und Mittelbetriebe müssten in den nächsten Jahren für die Globalisierung fit gemacht werden. E-Business könne dazu einen wesentlichen Teil beitragen.
Zudem müsse der heimische Standort für die digitale Wirtschaft attraktiver werden. Derzeit liege Österreich im Bereich E-Business im guten europäischen Mittelfeld und knapp unter dem OECD-Schnitt.
Stark in Teilbereichen, Defizite im Bildungswesen
In wenigen Punkten sei Österreich allerdings bereits führend. So habe es im vergangenen Jahr laut einer Studie der europäischen Kommission in keinem anderen europäischen Land so viele neue Internet-Anschlüsse gegeben, sagte Bartenstein. In den Bereichen "E-Tourism", "E-Content" und "E-Location" habe Österreich sogar die Chance, "sich als Marktführer in Europa zu positionieren". Stärken des heimischen E-Business orten die Experten auch bei den Finanzierungsmöglichkeiten von Start-ups. Deutliche Schwächen gebe es hingegen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
"Let's e-biz" ist Teil der Initiative "E-Austria", die wiederum im Zuge des Aktionsplans der europäischen Komission "E-Europe" gestartet wurde. "Let's e-biz" ist dabei das größte Teilprojekt von "E-Austria".
"E-Austria"Warnung vor New Economy
Vor einer Überbewertung der New Economy hat der Deutsche Industrie- und Handelstag [DIHT] gewarnt. Die Unternehmen der neuen Wirtschaft seien als reine Dienstleister von Aufträgen aus der Industrie abhängig, wird in einem Grundsatzpapier des DIHT festgestellt, das am Freitag in Bonn vorgelegt wurde.
"Ohne Produktion gibt es auch keine Dienstleistung", betonte DIHT-Vizepräsident Frank Niethammer. Die alte Wirtschaft sei bei Umsatz und Arbeitsplätzen weit vorn und bleibe die Basis für Wirtschaft und Wohlstand in Deutschland. "Sie verfügt auch über eine enorme Innovationskraft."
Auch die Old Economy ist "new"
Eine Unterscheidung oder gar die Konstruktion eines Gegensatzes
zwischen neuer und alter Wirtschaft sei aber ohnehin unsinnig, sagte
Niethammer. Diese Trennung sei vor allem auf eine kurzfristige
Betrachtungsweise zurückzuführen, die an der Börse festzustellen
sei. "Investmentfonds werden heute von Leuten gemanagt, die noch nie
ein Unternehmen von innen gesehen haben." Old wie auch New Economy
seien beide "Seiten einer Medaille", sagte Niethammer. Bei den neuen
Technologien wie Internet handle es sich um
"Querschnittstechnologien", die für alle Unternehmen einsetzbar
seien. Die neuen Technologien führten auch in der Industrie zu weit
reichenden Änderungen.
DIHT
