26.01.2001

KARTELL

Bildquelle: ORF ON

EU untersucht Preisabsprachen bei Musik-CDs

Nach der US-Justiz prüft nun auch die Europäische Union illegale Preisabsprachen bei Musik-CDs.

Das Verfahren von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sei aber noch in einem frühen Stadium, teilten EU-Kommissionsvertreter heute in Brüssel mit.

Sie bestätigten damit einen Bericht der "Financial Times", wonach sich die Untersuchungen auf die weltgrößten Musikkonzerne EMI, Time Warner, Sony, Bertelsmann und Universal, die zusammen rund 75 Prozent des Musikmarktes beherrschen, erstrecken.

Sollten sie für schuldig befunden werden, drohen den Firmen drastische Geldbußen.

Selbstauslöser

Die Kommission bekam offenbar bei der Prüfung der gescheiterten Fusion zwischen EMI und der Time-Warner-Tochter Warner Music Hinweise auf verbotene Preisabsprachen - womit zwei der fünf großen Musikkonzerne die aktuelle Untersuchung aus Versehen angestoßen haben.

Die Konzerne hatten den Fusionsplan im Oktober 2000 aufgegeben, um einem Veto der Kommission zuvorzukommen.

Online-Vertrieb erleichtert Absprachen

Die EU-Wettbewerbshüter fürchteten ein marktbeherrschendes Oligopol, bei dem EMI/Warner Music, Universal Music, Sony Music und BMG den Musikmarkt ungehindert untereinander aufteilen könnten.

Brüssel befürchtet vor allem bei einer Etablierung des erst zaghaft begonnenen digitalen Online-Musikvertriebs die Gefahr von wettbewerbsfeindlichen Preisabsprachen.

In den USA hatten 30 US-Bundesstaaten und Überseegebiete die Bertelsmann Music Group [BMG], vier andere Plattenfirmen und drei Musikketten wegen Preisabsprachen verklagt.