Kalifornien ersteigert Strom per Internet
Die kalifornische Regierung will die anhaltende Energiekrise im Staat durch billigen Strom von Internet-Anbietern lindern.
Die Energie soll über eine Internet-Börse möglichst günstig gekauft und an die fast bankrotten Versorgungsunternehmen weitergegeben werden, teilte Gouverneur Gray Davis am Dienstag mit.
Die ungewöhnliche Auktion begann Dienstagfrüh [Ortszeit] und sollte 27 Stunden dauern.
"Das ist ein wichtiger Schritt
in unseren Bemühungen, die Lichter in Kalifornien nicht ausgehen
zu lassen", sagte Davis. Er hoffe, mit der Aktion einen
langfristigen Vertrag mit einem Stromerzeuger abschließen und die
Pleite der zwei großen Versorger Kaliforniens abwenden zu können.
Apple im Dunkeln, Intel ohne KaffeeGouverneur Gray Davis : Notstand ausgerufen
Die Bürger des wohlhabendsten und bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates richteten sich am Dienstag erneut auf Stromunterbrechungen ein.
Ein Vertreter der Stromversorger warnte, die Energiekrise könne noch mindestens zwei Jahre dauern.
Davis hat den Energienotstand ausgerufen. Grund für die Energiekrise ist hauptsächlich eine vor vier Jahren eingeleitete Liberalisierung der Stromwirtschaft, die zu einem drastischen Anstieg der Marktpreise geführt hat.
Die beiden größten kalifornischen Stromversorger,
PG&E und Edison International, stehen durch einen starken Anstieg der Großhandelspreise für Strom in den vergangenen Wochen am Rande des Bankrotts. Den Unternehmen ist es verboten, steigende Einkaufspreise an ihre Kunden weiterzugeben. Mit den noch von der aus dem Amt geschiedenen US-Regierung unter Bill Clinton verfügten Dekreten werden die Energieversorger aus anderen Staaten gezwungen, Strom und Erdgas nach Kalifornien zu verkaufen.
Freiwillig hatte sich dazu kaum noch ein Unternehmen bereit gefunden, weil sie fürchteten, dass die Versorger aus Kalifornien die Rechnungen nicht zahlen könnten. PG&E und Edison sind nach eigenen Angaben mit zusammen rund zwölf Milliarden USD verschuldet und haben ihre Kreditrahmen ausgeschöpft.
Pacific Gas&ElectricStromversorgung per Dekret
Um weitere Stromausfälle in Kalifornien zu verhindern, will die US-Regierung die hoch verschuldeten Energieversorger des Bundesstaates weiterhin per Dekret von anderen Unternehmen mit Strom und Gas versorgen lassen.
Die Anweisung an Energieunternehmen, Strom und Gas an die hoch verschuldeten Energieversorger Kaliforniens zu verkaufen, werde vom neuen Energieminister Spencer Abraham verlängert, hieß es am Dienstag in Regierungskreisen in Washington.
Versorgungsengpässe haben in Kalifornien in den vergangenen Tagen mehrfach zu mehrstündigen Stromausfällen geführt, von denen zahlreiche Unternehmen und rund eine Million Menschen betroffen waren.
