3D-Windows: Das Projekt "TaskGallery"
Erst vor kurzem hatte Redmond den Beta-Testern des Windows-2000-Nachfolgers "Whistler" gestanden, dass die Überarbeitung der grafischen Oberfläche noch nicht abgeschlossen ist. Was zu teils wilden Spekulationen über die Gestalt der endgültigen Whistler-Version führte. Doch dramatische grafische Neuerungen stehen für Whistler gar nicht ins Haus.
Microsoft Research hingegen verfolgt langfristig das durchaus spannende Ziel, den traditionellen Windows-Desktop in eine 3D-Oberfläche zu verwandeln
Das Forschungsprojekt mit dem Codenamen "TaskGallery" versetzt den User in einen dreidimensionalen Raum, in dem Fenster von miniaturisierten Bildsymbolen dargestellt werden.
Dabei kommen sowohl eine
speziell präparierte Windows-2000-Kernel- als auch eine eigene GDI-Bibliothek für die grafischen Routinen zum Einsatz. Inaktive, miniaturisierte Fenster werden vom User entsprechend den Kontextbeziehungen in einem Raum "aufgehängt".
"Das Hauptproblem beim Übergang zu einer 3D-Oberfläche sind nicht etwa die Hardware oder ein anderes Marktproblem - das Hauptproblem ist das Fehlen geeigneter Anwendungen", sagt User-Interface-Designer Daniel Robbins. "Eine zeitgemäße Grafikkarte kostet 200 Dollar und übertrifft damit eine SGI-Workstation von vor zwei Jahren locker."
Auch die Demo-Filme auf der "TaskGallery"-Website zeigen, dass schon mit bescheidener Hardware recht gute Ergebnisse erzielbar werden. Obwohl neue Rendering-Schritte erforderlich und eine völlig neue Ebene zur Verarbeitung von Maus- und Tastatureingaben eingezogen wurden, läuft das Ganze auf einem durchschnittlichen PC aus dem Jahre 1998 mit respektabler Geschwindigkeit.
3D-Windows: Das Projekt "TaskGallery"Während konventionelle 2D-Anwendungen
noch an einfachen, zweidimensionalen Darstellungsformen kleben, werden im 3D-Stil viele Probleme lösbar, die heute den Anfänger erschrecken.
3D-Anwendungen lassen sich wesentlich einfacher und intuitiver begreifbar machen, meint Robbins, Interface-Designer bei Microsoft Research.
Während die zweidimensionale Desktop-Welt aus Shortcuts, Verzeichnissen [Folder], und Dateisymbolen [Icons] besteht und die Beziehung zum Inhalt großteils verlorengeht, können in der "TaskGallery" verschiedene Fenster in verschiedenen Räumen aufgehängt werden.
Mit Keyboard und Maus bewegt man sich
durch die Räume, neue Bedienungselemente vereinfachen die Navigation, heben Fenster in den Vordergrund oder senden sie in den Hintergrund.
Das mit "TaskGallery" betraute Entwicklerteam
ist an dem Whistler-Projekt nicht beteiligt, möchte aber den Einfluss auf die Gestaltung von dessen Nachfolger gewinnen. Dabei soll die neue Oberfläche mit verschiedensten Geräten verwendet werden können, keineswegs nur mit konventionellen PCs.
"Seit Apple seine grafische Oberfläche vorgestellt hat, leben wir mit der Metapher dieser Oberfläche", meint Robbin. In der Tat sei es eher eine symbolische Sprache als eine Methapher. "Wir sind gerade dabei, geeignete Darstellungsformen für die 3D-Welten der Zukunft zu entwickeln."
Das "TaskGallery"-Team wird seine Ergebnisse voraussichtlich kommenden März auf der CHI 2001 in Seattle vorstellen.
