Neue IBM-Technologie gegen Musikpiraten
IBM will mit einem neuartigen Kopierschutz Liebhabern freier Musiktauschsysteme wie Napster und Gnutella das Leben deutlich schwerer machen.
Ziel der IBM-Technologie ist es, Napster-Usern gerade so viel Vergnügen übrig zu lassen, dass sie nicht vollkommen verärgert werden. Andererseits soll den Copyright-Inhaber eine nahezu 100-prozentige Kontrolle über die Verbreitung ihrer Songs erhalten bleiben.
Der weiterentwickelte Schutzansatz von IBM erlaubt zwar das beliebige Kopieren und Versenden von Songs. Eingebaute Restriktionen führen dann dazu, dass von diesen Kopien nur die ersten 30 Sekunden angespielt werden können.
Big Blue engagiert sich bereits länger
im Bereich Kopierschutztechnologien für digitale Musik. Bereits 1999 zeigten sich nach einem Praxistest mit den großen Plattenfirmen viele Marktbeobachter überzeugt, dass IBM in diesem Segment zukünftig noch eine wichtige Rolle spielen wird.
Mit dem neuen Schutzmodell, an dem auch einige Plattenfirmen durchaus Gefallen finden, könnte IBM also ein interessanter neuer Markt erwachsen.
"Noch ist nichts entschieden, alles ist möglich", meint Alan Weintraub, Analyst der Gartner Group. "Die Plattenfirmen überlegen sich, was sie tun sollen, und spielen dabei mit verschiedenen angebotenen Technologien", so Gartner-Spezialist Weintraub.
IBMSteter Wettlauf zwischen Industrie und Hackern
Wie lange die Lebenserwartung des neuen Kopierschutzmechanismus sein wird, vermag hingegen heute niemand seriös zu sagen. So wurde die Verschlüsselung von Stephen Kings elektronischem Buch schon wenige Tage nach dem ersten Erscheinen von Hackern geknackt.
Und die Mechanismen, die das Abspielen und Kopieren von multimedialen DVD-Scheiben international streng beschränken sollten, wurden mit einem einfachen Softwareprogramm namens DeCSS ausgehebelt.
Gerade die geringe Halbwertszeit bisheriger digitaler Schutzmechanismen einerseits und das ungelöste Problem, in ihrer Funktion stark eingeschränkte Songs oder Bücher dem Konsumenten auch schmackhaft zu machen, andererseits haben bisher die Etablierung umfassender Kopierschutzstandards erfolgreich verhindert.
IBM geht davon aus, dass Napster
in der bisherigen Form nicht mehr lange existieren wird, und
setzt deshalb auch große Hoffnung auf sein Schutzmodell. Features
der IBM-Technologie beinhalten: Copyright-Besitzer können die
weitere Verwendbarkeit von erstellten Kopien genau definieren. Wie
bei DVD-Scheiben können Copyright-Inhaber die Art des Schutzes für
verschiedene geografische Regionen unterschiedlich definieren. Neue
Plug-ins für die Real-Jukebox oder die Jukebox von Musicmatch sollen
den Online-Kauf von EMMS-geschützten Songs ermöglichen.
NapsterIBM-Burnett: "Jeder Schutz ist knackbar"
Auch IBM gibt zu, dass eine Technologie gehackt werden kann, obwohl Scott Burnett, Entwickler in IBMs Multimedia-Abteilung, sie für "sehr, sehr sicher" hält. Doch wie Marktforscher herausfanden, dürfte nur ein geringer Anteil der Verbraucher solche Crack-Technologien auch einsetzen.
"Grundsätzlich ist jeder Kopierschutz knackbar", meint Weintraub. "Doch ab einem gewissen Schutzlevel bleibt die Mehrheit der Verbraucher ehrlich." Andere Analysten sind da schon skeptischer und sagen anarchistischen Musiktauschbörsen nach dem Muster von Napster noch ein langes Leben voraus.
Aussichtslos wie der Drogenkrieg
"Jede Art von Inhalt, die im Netz kommerziell angeboten wird, wird letztlich auch irgendwo im Netz kostenlos zu finden sein", meint Gartner-Spezialist Rob Batchelder. "Der Versuch, diese freien Kopien mit digitalen Schutzmechanismen in den Griff zu kriegen, wird nicht erfolgreicher sein als der ewige Krieg gegen den Drogenhandel."
