Digitale Medizintechnik im Sägewerk
Mit Technologien aus der Medizintechnik arbeitet die steirische Forschungsgesellschaft Joanneum Research am Sägewerk der Zukunft.
In Kooperation mit der kalifornischen Firma InVision Technologies wurde im obersteirischen Eppenstein ein speziell adaptierter Computertomograph [CT] installiert, der die inneren Qualitätseigenschaften eines Baumstammes erkennt und Vorschläge macht, wie das Rohholz am Besten verwertet werden kann.
In der Endversion des Prototyps, der heute vorgestellt wurde, sollen Baumstämme mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Minute inspiziert werden können.
"Da es weltweit kein vergleichbares Produkt gibt, rechnen wir mit einem Technologievorsprung von mindestens zwei Jahren", erklärte Hans-Peter Leitinger, der Fachgruppenvorsteher der steirischen Holzindustrie, bei der Präsentation. Leitinger gab sich überzeugt, dass mit dem Einsatz der neuen Methode die Leistungsbilanz der heimischen Holzwirtschaft deutlich verbessert werden könne: "Wir rechnen, dass die Holzwirtschaft mit solchen zukunftsweisenden Projekten endgültig der größte österreichische Devisenbringer wird", so Leitinger.
InVision TechnologiesVirtuelle Schnittbilder
Der jetzige Prototyp läuft mit 1,5 Metern Scannergeschwindigkeit pro Minute. Das vom Institut für Digitale Bildverarbeitung entwickelte System kann zahlreiche qualitätsbestimmende Merkmale [u.a. Äste und Schäden] im Inneren des Fichten-, Lärchen-, Tannen-, Buchen- und Eichenholzes automatisch erkennen und liefert virtuelle Schnittbilder, die eine Vorschau auf die zu erwartenden Brettoberflächen geben.
Der Computer kann die Merkmale anhand von Dichtewerten unterscheiden. Durch die Weiterentwicklung des Systems soll auch die Erkennbarkeit von Fäule ermöglicht werden.
Da auf Grund dieser Daten eventuelle Schnitte nach eigenem Belieben gewählt werden können, ist es den Sägeführern somit möglich, Entscheidungen, die bisher erst nach dem Schnitt getroffen werden konnten, bereits vorab am Bildschirm zu treffen und so mehrere mögliche Varianten des Einschnitts durchzuspielen.
Durch die Kenntnis der inneren Struktur des Holzes seien wertmäßige Ausbeuteverbesserungen um etwa fünf bis zehn Prozent zu erwarten, erklärte Alfred Rinnhofer vom Institut für Digitale Bildverarbeitung. Somit sollten sich derartige Systeme innerhalb von zwei Jahren amortisieren.
Joanneum Research
