22.01.2001

MANGEL-BIZ

Bildquelle: waldt

Consulting-Firmen verlangen IT-Fachkräfte

Die österreichischen Consulting-Unternehmen rufen nach mehr IT-Fachkräften.

Allein das Beratungsunternehmen Accenture [ehem. Andersen Consulting] könnte nach eigenen Angaben 2001 rund 80 neue Fachkräfte in Österreich einstellen. Jährlich steige dieser Bedarf um rund 20 bis 40 Prozent.

Umlernen

Einen IT-Fachkräftemangel bestätigt auch dessen Mitbewerber Contrast Management-Consulting. "Wir benötigen pro Jahr zehn Fachkräfte mit sowohl betriebswirtschaftlichem als auch informationstechnischem Know-how.

Pro Jahr könnten wir rund zehn Leute einstellen. Letztes Jahr fanden wir nur sechs", sagt Contrast-Geschäftsführer Werner Hoffmann.

Aus Sicht von Accenture-Österreich-Chef Gattermayer wäre eine Erhöhung der Zuwanderungsquote für IT-Experten ein Zeichen für die heimische Bevölkerung, dass in diesem Bereich ein deutlicher Arbeitskräftemangel herrsche und dass es in diese Richtung umzulernen gelte.

Das müsse jedoch mit einer raschen Reform des bestehenden Ausbildungssystems einhergehen, meinte Gattermayer.

Eine Beteiligung der Wirtschaft an der Reform des Ausbildungsapparats schloss er dabei nicht aus. Accenture beispielsweise betreibe bereits eigene Umschulungsprogramme und gestalte bisweilen auch Vorträge an den Universitäten. Für Unternehmen der Privatwirtschaft stehe dabei jedoch immer der eigene Nutzen im Vordergrund. Daher könnten privaten Initiativen immer nur Ergänzung zu staatlichen Bemühungen sein. Die Richtung müsse eine unabhängige Bildungspolitik vorgeben, so Gattermayer.

"Nicht gescheit"

Ähnlich sieht man das auch bei Contrast. Vor zehn Jahren als Spin-off der Wirtschaftsuniversität Wien gegründet, unterstützt das Unternehmen Diplomarbeiten und Dissertationen sowohl fachlich als auch finanziell.

Contrast-Geschäftsführer Hoffmann selbst ist als Professor an der WU Wien tätig. Seiner Ansicht nach bekommt die heimische IT-Branche gerade die Versäumnisse der Bildungspolitik in den letzten Jahren zu spüren. In der jetzigen Situation sei daher eine restriktive Politik bei der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte "nicht gescheit".

Längerfristig plädiert aber auch Hoffman für eine Verbesserung der "eigenen Ausbildungsstrukturen".

Sollte sich die Zahl der heimischen IT-Fachkräfte jedoch auch in den kommenden Jahren nicht erhöhen, müsse man damit rechnen, dass internationale Unternehmen in Zeiten von "Off-Shore-Programming" die Aktivitäten auslagerten, sagt Accenture-Chef Gattermayer. "Accenture beispielsweise betreibt Zentren in Manila, Indien und Spanien. Arbeiten, die keines regionalen Wissens bedürfen, können auf Grund der heutigen Vernetzung ohne weiters ausgelagert werden." Nach dem Technologiesprung habe die Welt die großen Veränderungen noch vor sich, meint Gattermayer.