20.01.2001

INAUGURATION

Bildquelle: iac

Digitaler Widerstand gegen Bush

"Füllt die Straßen von Washington!" Nicht zum Jubel für den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern zum lautstarken Protest gegen George W. Bush wollen tausende Demonstranten heute, Samstag, die Hauptstadt stürmen.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Mit straffer Organisation und modernen Kommunikationsmitteln sollen die Proteste stärker sein denn je.

"Elektronischer Widerstand"

Gemeinsam ist den organisierten Protesten eines: Sie greifen auf Laptops, neue Modems und Handys zurück, um ihre Kräfte zu bündeln - und über die Reaktionen der zuhauf aufgebotenen Sicherheitskräfte zu informieren.

Über ein neues Internet-Forum will Ricardo Dominguez, ein Anhänger der mexikanischen Zapatisten, Mitstreiter um die Ecke und in aller Welt von den Vorkommnissen bei der Demo in Kenntnis setzen.

Auch Brian Goldmann, Mitglied des Revolutionären Anti-Autoritären Blocks, wird mit Handheld-Computer und drahtlosem Modem vor Ort sein, um Protestierende vor anrückenden Sicherheitskräften zu warnen.

Während des Marsches will er alle eventuell passierenden Unregelmäßigkeiten beim Polizeieinsatz dokumentieren, sagt er.

Aufgebot

Bush und sein Team scheinen viele Ansatzpunkte für den geplanten Massenprotest zu bieten. Verschiedene Gruppen haben angekündigt, gegen die Wirtschaftspolitik zu demonstrieren und für ein soziales Netz. Andere legen ihren Schwerpunkt auf die Proteste gegen die Todesstrafe: "Gouverneur Tod" aus Texas ziehe nun ins Weiße Haus ein, betont das IAC. In Bushs rund sechsjähriger Amtszeit als Gouverneur wurden in Texas mehr als 150 Menschen hingerichtet, so viele wie in keinem anderen US-Staat. Vorgefertigte Plakate prangern "Rassist Ashcroft" - den designierten Justizminister - an. Schwule und Lesben wollen auf der Straße ihre Rechte sichern. Wieder andere kreiden der Regierung Einmischung in die politischen Angelegenheiten anderer Staaten an. Die Behörden bereiten sich dementsprechend auf die größten Protestkundgebungen seit der Vereidigung von Richard Nixon 1973 vor, als 60.000 Menschen gegen den Vietnam-Krieg demonstrierten. 7.000 Polizisten und acht Kilometer lange Absperrungen sollen verhindern, dass die Zeremonie vor dem Kapitol in Washington gestört wird. Die Sicherheitskräfte rechnen mit bis zu 700.000 Besuchern.