03.12.2000

GREAT, BRITAIN

Bildquelle: fuzo

"Data Warehouses" für die Nachrichtendienste

Die britischen Geheimdienste fordern - wie der "Observer" berichtet - den vollen Zugriff auf alle Verbindungsdaten von Telefonaten aller bestehenden Kommunikationsnetze.

Die Wochenzeitung zitiert in ihrer neuesten Ausgabe aus einem internen Papier des britischen Innenministeriums, worin der Vizegeneraldirektor der Sonderpolizei NCIS, Roger Gaspar, neue Gesetze zur Massenspeicherung von Telefongesprächen, E-Mails und Internet-Verbindungen fordert.

Die wachsende Internet-Kriminalität, besonders im Bereich Kinderpornografie, mache neue Gesetze nötig, argumentiert Gaspar in dem Geheimpapier.

Harsche Kritik an Geheimpapier

Oppositionspolitiker kritisieren laut "Observer" das Papier harsch. Der konservative Politiker Lord Cope sagte, er sympathisiere zwar mit härteren Gesetzen zur Bekämpfung von moderner Kriminalität.

Jedoch könnten große Datenbanken über jedes Mitglied der Öffentlichkeit schnell zu einem Überwachungsstaat führen.

Gegen die Einführung der "RIP Bill" hatte sich in Großbritannien eine breite Koalition aus Datenschützern und Bürgerrechtsgruppen auf der einen und der britischen Industrie auf der anderen Seite gebildet. Die "British Chambers of Commerce", die "Confederation of British Industry" und das "Institute of Directors" brachten vor allem wirtschaftliche Einwände gegen die "RIP Bill" vor. Sie befürchten Industriespionage und einen Wettbewerbsnachteil beim E-Commerce. Schätzungen der britischen Industrie zufolge könnten sich bis zu 40 Prozent der britischen E-Commerce-Unternehmen durch die "RIP Bill" gezwungen sehen, in andere Länder mit weniger Überwachung auszuweichen.