Nanoroboter als Interface zum Gehirn
In der Science Fiction gibt es sie schon: Hochgezüchtete Menschen oder dem Menschen an Intelligenz überlegene Roboter und Computer, die sich zu Konkurrenten entwickeln.
Doch was Bücher oder Filme wie "Terminator" oder "Matrix" lediglich als Vision entwerfen, könnte nach Ansicht des Computerexperten Bill Joy vielleicht noch in diesem Jahrhundert Wirklichkeit werden.
In seinem Aufsatz mit dem apokalyptischen Titel "Warum die Zukunft uns nicht braucht" kommt der Mitbegründer von Sun Microsystems zum Schluss, dass die Kombination von Robotik, Gentechnik und Nanotechnologie eine völlig neuartige "Büchse der Pandora" öffnet.
Die damit verbundenen enormen Möglichkeiten
könnten ausreichen, um den Menschen zur gefährdeten Art zu
machen. Schon in den nächsten 50 Jahren könnte es superintelligente
Roboter geben, die sich selbst reproduzieren und als neue Gattung
dem Menschen Konkurrenz machen könnten. Die Menschheit solle sich
daher im eigenen Interesse bescheidener geben und auf die
Weiterentwicklung gefährlicher Technologien verzichten.

"Robot-Techniken müssen scharf kontrolliert werden"
Am Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen, wo Joy unlängst seine Thesen referierte, wollte man die Warnungen des Mitbegründers von Sun durchaus nicht als blanke Phantasterei abtun.
Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Hubert Markl, sagte, ähnlich wie die Seuchenforschung und die Virologie müssten die erst im Entstehen begriffenen Robot-Techniken scharf kontrolliert werden.
Joys Anti-Utopie entstand in erster Linie aus der Auseinandersetzung mit einem Buch seines Freundes Ray Kurzweil, einem der einflussreichsten Wissenschaftstheortiker der USA.
In seinem auch auf deutsch erschienen Werk
"Homo Sapiens - Leben im 21.Jahrhundert" entwirft Kurzweil die
Vision einer Verschmelzung von Mensch und Maschine: Winzige
Nanoroboter stellen vor Ort Kontakt mit unserem Gehirn her und
verschmelzen unsere Sinne drahtlos mit der Computerwelt. So liesse
sich die Denkleistung des Gehirns in kaum vorstellbare Dimensionen
steigern.

Technologische Verfassung soll Machbares im Zaum halten
Dass diese Technologien noch zu unseren Lebzeiten entstehen werden, steht für Kurzweil ausser Frage. Seiner Meinung nach sei die Nanotechnologie wesentlich gefährlicher als die Biotechnologie.
Doch der Verzicht auf gefährliche Technologien, wie Joy vorschlägt, sei sehr schwierig. Technolologie habe immer eine gute und eine böse Seite.
Kurzweil sieht die Lösung in einer Art "technologischen Verfassung", die das Machbare im Zaum halten soll. Anders ausgedrückt, die Vermehrung selbst replizierender Roboter soll durch entsprechende Programmierung kontrolliert werden.
Bill Joy ist auch Technologie-Berater
von Bill Clinton. Weitgehend unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit erklärte der US-Präsident in diesem Jahr die Nanotechnologie neben den Gen- und Computertechnologien zu den Schlüsseltechnologien des 21.Jahrhunderts.