Drahtlose Netze wachsen wie die Pilze
Matt Westerfield und seine drei Freunde begannen vor drei Monaten mit dem Aufbau eines privaten, drahtlosen Hochgeschwindigkeitsnetzes.
Auf den Dächern von Seattle begannen sie Antennen zu montieren und vernetzen ihre Computer mit Geschindigkeiten von bis zu 11 Megabit/Sekunde. Durchaus erfolgreich, auch im naheliegenden Cafe hat Matt nun problemlos seine Netzverbindung.
Die Gruppe um Westerfield ist unterdessen wesentlich größer geworden und schon lang nicht mehr die Einzige, die vom Virus des drahtlosen Internet befallen wurde.
Gemeinschaftsinitiativen in Cambridge
[Massachusetts] haben das Guerilla.net gegründet, und in London
ist das Consume.net enstanden. In San Francisco nennt sich die
entsprechende Grassroot-Initiative SFLan.

Von "Open-Source" zum "Freien Netz"
"Die Sache gewinnt eine Eigendynamik", meint James Stevens, Gründer von Consume.net, "viele Leute strömen zu uns und beteiligen sich an dem Vernetzungsprojekt."
Man könnte es "Bewegung für ein freies Netz" nennen. Mit Sicherheit ist es ein Versuch, eine Alternative zur Top-Down-Philosophie der großen Telekoms zustandezubringen.
Für viele Pioniere des drahtlosen Ethernet ist die Bewegung für freie Software [Open Source] jedenfalls durchaus ein realistisches Vorbild.
Für Brewster Kahle, Gründer von SFLan
in San Francisco, handelt es sich bei dem Phänomen um den
Zwilling der Open-Source-Bewegung. Nur geht es diesmal nicht um
Betriebsysteme, sondern um die Entwicklung funktionierender,
drahtlose Netzsysteme. Allerdings ist das Errichten von "Wireless
LANs" [WLANs] nicht so einfach wie das Mitprogrammieren an Linux.
Neben Zeit und Geduld sind auch Fertigkeiten eines Elektrikers und
die Fähigkeit auf Hausdächern schwindelfrei zu arbeiten durchaus
hilfreich.

Einstiegskosten: rund 13.000 Schilling
Ganz billig ist dieses Engagement sicher nicht. Obwohl die Signale dieser Netzwerke im freien Frequenzspektrum übertragen werden, brauchen neue User zunächst zwei Computer.
Und darüberhinaus sind dann Komponenten im Wert 13.000 Schilling erforderlich, um einen eigenen Anschluss an das "freie Netz" aufzubauen. Obwohl die Geräte standardisierte 802.11b-Protokolle für den drahtlosen Informationsfluss verwenden, sind sie doch noch alles andere als spottbillig.
Nicht inbegriffen ist die Garantie für einen störungfreien Betrieb. Denn die Signale fliessen im 2,4 Gigahertz-Bereich, und den verwenden auch Mikrowellengeräte und drahtlose Webkameras, wodurch das Frequenzspektrum verschmutzt und die Verbindungen langsamer werden.
Doch wenn die Bewegung für freie Netze
so unerschrocken und unbeirrbar wie die Open-Source-Bewegung
arbeitet, dürfte es sich bei diesen Schwierigkeiten nur um Bugs
einer Anfangsphase handeln, die in die drahtlose Zukunft der
Netzenthusiasten führt.
