Mit Computerbrillen zum Adlerauge
Wer glaubt, er würde gut sehen, täuscht sich. Auf einem Kongress für "adaptive Optik" im spanischen Murcia hat Pablo Artal eine Technologie vorgestellt, die ein menschliches Auge gleichsam zum Adlerauge werden läßt.
Wenige Zeitgenossen würden derzeit Artal's Prototypen tragen, denn die erforderliche Computerhardware benötigt derzeit noch einen ganz Kubikmeter.
Doch "die Schlüsselkomponenten sind eigentlich sehr klein und billig", meint Artal, Forscher am Laboratorium für Augenoptik an der Universität von Murcia.
Gewöhnliche Brillen korrigieren
Unschärfen und Astigmatismus der Augenlinse. Aber praktisch jeder
Mensch hat darüberhinaus zusätzliche Augenfehler, die von der
Pupillenerweiterung und der Einstellung der Linsen abhängen.

Technologie aus Spionagesatelliten
Um diese Probleme zu korrigieren, haben Artal und seine Kollegen Technologien der adaptiven Optik weiterentwickelt, die für gewöhnlich in Teleskopen und Spionagesatelliten eingesetzt werden.
Nach dem Verfahren der adaptiven Optik wird z.B. das Licht eines Sterns von einem Spiegel aufgefangen, der seine Form ändern kann, um Störungen durch Turbulenzen in der Athmosphäre zu kompensieren. Eben diese Fluktuationen sind der Grund, dass Sterne als "funkelnd" wahrgenommen werden.
In Artals Brillen kommt die gleiche Technologie zur Anwendung und kompensiert Unregelmäßigkeiten des menschlichen Auges. 25 mal in der Sekunde werden die Bildsignale korrigiert, mit dem Effekt, das dem Betrachter plötzlich alles viel schärfer erscheint.
Ein Computer errechnet,
wie stark ein Infrarotstrahl durch die Linse des Auges verzerrt wird und weist den Spiegelchip an, den Spiegel in Echtzeit entsprechend zu korrigieren. Weil das Licht das Auge des Betrachters nicht direkt, sondern über den deformierbaren Spiegel erreicht, kann der Computer die Störungen herausrechnen und dem Betrachter ein perfektes Bild suggerieren.
Militärische Anwendungen möglich
Das Spiegelbild wird 25 mal in der Sekunde neu berechnet, wodurch der Betrachter den beweglichen Spiegel nicht wahrnimmt.
Träger der neuartigen Brillen können Objekte in 12 Meter Entfernung präzise wahrnehmen, wie sie sonst nicht einmal aus 6 Metern Entfernung erkennbar sind.
Neben möglichen militärischen Anwendungen können die Supergläser umgekehrt auch verwendet werden, um in Echtzeit Präzisionsbilder von der Netzhaut anzufertigen.
"Damit können wir mikroskopische Bilder einzelner Zellen anfertigen und Augenkrankheiten bereits sehr früh diagnostizieren", sagt Austin Roorda von der Universität Houston.