02.12.2000

TEST

Bildquelle: FuZo/Netscape

Was ist dran an Netscape 6 ?

Der Wettbewerb zwischen dem Internet Explorer und dem Netscape Navigator ist eine der Hauptarenen des digitalen Zeitalters.

In keinem anderen Wirtschaftszweig investieren zwei Marktführer soviel Geld und Anstrengung in ihre Produkte, um sie dann kostenlos aus der Hand zu geben.

Nach zwei Jahren Programmierarbeit und sechs Monaten Verfügbarkeit seiner Preview-Version liegt Netscape 6 nun seit einige Wochen für Windows, Macintosh und Linux vor.

Speicherfresser, aber Standard-konform

Doch während Webdesigner von Netscape 6 relativ angetan sind, weil er außergewöhnlich gut mit internationalen Standards harmonisiert, hält sich die Freude bei normalsterblichen Usern durchaus in Grenzen.

Das Programm ist ein ausgewachsener Speicherfresser, der sich nicht unter 20-25 Megabyte RAM zufrieden gibt. Einmal gestartet, ist die Anzeigegeschwindigkeit in Ordnung. Aber der Start dauert auf einem Pentium-III-System mit 256 MB Hauptspeicher geschlagene zehn Sekunden.

Im Vergleich zur Version 4.7 läßt Netscape 6 einige populäre Features vermissen: Die Druckvorschau ist ebenso entschwunden wie die einfache Möglichkeit, eine Webadresse direkt an eine bestimmte Stelle im Bookmarkkatalog zu speichern.

Webadressen können nicht mehr

durch Klicken der rechten Maustaste kopiert und eingefügt werden. Auch das Roaming-Feature, wodurch Konfiguration und Bookmarks von einem zentralen Roaming-Server bezogen werden können, ist in die ewigen Jagdgründe entschwunden.

Netscape 6 memoriert Passwörter

Das bedeutet allerdings nicht, dass Netscape 6 keine neuen Funktionen mitbringt. Das Programm kann nun Formulare und Registrierungsfenster automatisch ausfüllen.

Das Auswendiglernen von Dutzenden Passwörtern kann entfallen, der Browser merkt sie sich und alle gemeinsam können durch ein einziges Master-Passwort geschützt werden.

Das Deakivieren von anstrengend-blinkenden GIF-Animationen beherrscht er aber leider ebensowenig wie den nützlichen Speicherbefehl des Internet-Explorers, der das Abspeichern einer Webseite mitsamt aller grafischen Einlagen gestattet.

Einige Bugs warten auf ihre Behebung

Als nützlich kann der Sidebar gelten, der auch eine Web-Suchfunktion mit integrierter Anzeige der Ergebnisse aufweist.

Dank einer extrem langsamen Entwicklungszeit, eine generösen Bugsammlung und dem Pech, nicht auf jedem PC vorinstalliert daherzukommen, wird Netscape 6 dem Internet Explorer garantiert keinen Todesstoss versetzen.

Auf der anderen Seite werden seine Stärken einen zumindest bescheidenen Erfolg erwarten lassen: Linux-Liebhaber und Unternehmen können den Quellkode an ihre eigenen Bedürfnisse individuell anpassen.

Netscape 6 ist auch eine strategische Waffe

von AOL, in die im Laufe der Zeit wohl noch einige Gadgets von AOL hineinwachsen werden. Im Moment dürfte das AOL-Team wohl damit beschäftigt sein, Bugs und Unebenheiten auszuwetzen. Bis dahin kann der Download nur empfohlen werden, wenn die nötigen Voraussetzungen zutreffen. 64 MB Hauptspeicher, ein schneller Prozessor und der Glaube, das ein Sieg von Microsoft im Browserkrieg auf jeden Fall verhindert werden muss.

FuZo-Umfrage zu Netscape 6