Schlacht um den Linux-Desktop
Auf dem Linux-Desktop tobt ein Glaubenskrieg der grafischen Oberflächen: KDE versus Gnome.
Der Anwender betrachtet dieses Gefecht um den künftigen Standard eher vom Rande des Schlachtfeldes.
Wer hier gewinnt, läßt ihn kalt, er wünscht sich lediglich eine einfach zu bedienende Oberfläche.
Auf den Ftp-Servern des KDE-Projekts
finden sich neben dem Quellcode auch die fertigen Binaries für
die gängigen Linux-Distributionen. Zwischen 40 bis 90 Megabyte
fallen zum Download an.

40 bis 90 Megabyte im Download
Auch Gnome bringt einen ähnlichen Umfang auf die Waage. Rund 40 MB umfassen die Binaries, noch einmal 10 MB sind für Entwicklerpakete und Tools zu veranschlagen.
Die Einrichtung gestaltet sich jedoch komfortabler als bei KDE, da ein automatischer Installer zur Verfügung steht.
Der Gnome-Installer setzt ein bereits laufendes
X-Window-System
voraus und lässt sich durch Aufruf von "lynx -source
http://go-gnome.com/ | sh" aus dem Terminalfenster starten. Wer
Caldera, Debian, Mandrake, Red Hat, SuSE oder TurboLinux verwendet,
kann diesen komfortablen Weg wählen.

Ähnlichkeiten an der Oberfläche
Beide Systeme haben sich bei der Gestaltung der Oberflächen von ähnlichen Kriterien leiten lassen. Es finden sich jeweils ein Windows-ähnliches Startmenü, Icons zum direkten Aufruf von Programmen, eine Taskleiste mit Schaltflächen für aktive Anwendungen, eine Umschaltmöglichkeit zwischen verschiedenen virtuellen Desktops sowie eine Uhr.
Gnome bietet für die Taskleiste ein größeres Applet-Reservoir, KDE lockt dafür durch ein einfacher zu handhabendes, umfangreiches Management.
Gnome wiederum trumpft bei der Kompatibilität der Office-Komponenten auf, KDE bietet hingegen das breitere Anwendungsspektrum mit einigen echten Highlights.
Textverarbeitung
Mäßig kompatibel zu MS-Word-Dokumenten ist KWord. Es importiert
bei nur den Text, die Formatierung geht zum Großteil verloren.
Besser, aber nicht perfekt verhält sich Abiword im Gnome-Paket: Bei
den meisten Word-Dokumenten kommt Abiword mit der Formatierung klar,
durch eingebundene Grafiken lässt es sich jedoch verwirren.

Tabellenkalkulation
KSpread importiert lediglich die Werte aus MS-Excel. Versucht man Blätter samt Formatierung einzulesen, stürzt das Programm ab. Fast perfekt hingegen Gnome Gnumeric. Es übernimmt Excel-Files komplett mit Formatierung und Kalkulation.
Vektorgrafik
Mit KIllustrator bzw. Dia stellen beiden Projekte auch Multi-Fenster-fähige Vektorgrafikprogramme zur Verfügung. Dabei glänzt KIllustrator gegenüber Dia jedoch mit einigen Zusatzfunktionen. Wer allerdings Datenflussdiagramme, Netzwerkpläne oder Schaltungslayouts erstellen will, ist mit Dia besser bedient.
Bildbearbeitung GIMP
Das Bildbearbeitungsprogramm GIMP zählt zum Besten, was unter
Linux überhaupt zu haben ist. In Sachen Funktionsumfang hält GIMP
dem Vergleich mit dem Platzhirsch Adobe Photoshop durchaus stand.

Kooperation der Entwicklerteams wünschenswert
Insgesamt hinterlässt KDE2 den ausgereifteren und benutzerfreundlicheren Eindruck.
In den vollen Genuss aller Vorzüge kommen nach wie vor nur diejenigen, die sich sowohl KDE als auch Gnome auf dem Rechner installieren.
Langfristig wäre jedoch dringend zu wünschen, dass die beiden Entwicklerteams ihre Tätigkeit in gemeinsame Bahnen lenken und Linux endlich eine wirkliche Standard-Oberfläche bescheren.
Andernfalls erscheint es fraglich, ob sich das freie Linux jemals gegen die mächtige Windows-Konkurrenz durchsetzen kann.
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