30.11.2000

COOL BRITANNIA

Bildquelle: elspa

Nach Britpop kommt Britsoft

Die in England angesiedelte "European Leisure Software Publishers Association" [ELSPA] hat ein Buch vorgestellt, das die Verdienste der britischen Computerspiel-Industrie feiert. Das Buch trägt den Titel "Britsoft" und ist Branchenverzeichnis und Leistungsschau in einem.

Die britische Entertainment-Softwareindustrie ist mittlerweile zu einem Industriezweig angewachsen, der größer ist als die britische Film- und Fernsehindustrie und gleich groß wie die britische Musikindustrie.

Großbritannien ist europaweit führend in der Entwicklung und Vermarktung von Computerspielen und das einzige Land in Europa, das den USA und Japan auf diesem Gebiet Paroli bieten kann.

Der Buchtitel "Britsoft" ist zugleich Programm: So wie "Britpop" international zum Markenzeichen für innovative und angesagte Popmusik geworden ist, soll der Begriff "Britsoft" nach dem Willen der Herausgeber die besondere kreative Kompetenz Großbritanniens bei Computerspielen betonen.

Heftiger Gegenwind für Flaggschiff Eidos

Die Feierstimmung der britischen Computerspiel-Industrie wird allerdings durch die hartnäckige Krise ihres Flaggschiffs Eidos getrübt.

Der vor allem durch "Lara Croft" bekannt gewordene Spiele-Entwickler hat am Dienstag seine Halbjahresbilanz veröffentlicht, die abermals empfindliche Verluste ausweist.

Demnach belaufen sich die im ersten Halbjahr angefallenen Verluste vor Steuern auf 18,8 Millionen Pfund [31,1 Euro].

Hinzu kommen außergewöhnliche Verluste in der Höhe von 54,1 Millionen Pfund [89,5 Euro] durch die unerwartet geringen Verkaufszahlen einiger Spiele im vergangenen Finanzjahr sowie den Wertverlust der Eidos-Beteiligung an dem B2C-Unternehmen Express.com.

Analysten hatten im Vorfeld mit höheren Verlusten gerechnet. Eidos zeigte sich nach Veröffentlichung der Zahlen optimistisch, die für das Gesamtjahr gesetzten Erwartungen erfüllen zu können.

Eigenständig aus der Krise

Zuletzt hatte Eidos im Oktober ein Übernahmeangebot des französischen Konkurrenten Infogrames abgelehnt.

Große Hoffnungen setzt Eidos auf die endlich ausgelieferte Playstation 2. Von der PS2 erwartet sich Eidos eine nachhaltige Steigerung der zuletzt merkbar zurückgegangenen Nachfrage nach Computerspielen.

Nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen und im Hinblick auf die PS2 erklärte Eidos, dass man sich wieder für stark genug halte, eigenständig und ohne strategischen Partner weiter existieren zu können.