Chinesische Regierung für Internet-Nutzung
Der chinesische Staatschef Jiang Zemin hat sich für die Nutzung des Internets ausgesprochen.
E-Mail, E-Commerce, das Lernangebot und die dargebotenen Erkenntnisse der Medizin würden China verwandeln, sagte Jiang anlässlich der Eröffnung einer internationalen Computerkonferenz. Die virtuelle Realität werde die Produktion, das Lernen und das Leben grundlegend verändern, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua den
Staatschef.
Lippenbekenntnisse
Jiangs Äußerungen gelten als deutlicher Hinweis, dass die chinesische Regierung die positiven Auswirkungen des Internets anerkennt und diese über Befürchtungen stellt, über das Netz könne die Position der kommunistischen Regierung geschwächt werden. Geschwindigkeit und Ausmaß der Datenübertragung hätten einen weltweiten Informationsraum entstehen lassen, der keine Grenzen kenne, sagte Jiang in seiner Rede. Die Verschmelzung der traditionellen Wirtschaft mit der Informationstechnologie werde der Motor für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft im 21.
Zickzackkurs
Jiang hielt seine Rede vor einem überwiegend ausländischen Publikum auf der Welt-Computermesse in Peking, an der sich Internetanbieter und Vertreter von Regulierungsbehörden aus 70 Ländern beteiligen. Nicht zuletzt mit Blick auf die politischen Gegner hob Jiang die Notwendigkeit hervor, die Privatsphäre des Internets zu wahren und es von einer "Flut von Müll" freizuhalten.
Anfang des Monats hatte die "Volkszeitung" in einem ideologisch gefärbten Kommentar noch ganz andere Töne zum Thema Internet angeschlagen: Während das Internet fortschrittliche, gesunde und nützliche Informationen anbiete, gebe es auch viele reaktionäre, abergläubische und pornografische Inhalte. "Feindliche Kräfte im In- und Ausland scheuen keine Anstrengung, um uns an dieser Kampflinie zu infiltrieren", hieß es. In China werden die Websites von westlichen Medien, von Menschenrechtsorganisationen, tibetischen Exilanten und anderen unabhängigen Organisationen, die die Behörden für politisch unzuverlässig oder störend halten, routinemäßig gesperrt.

