3-D-Surfbrett für Onkel Ballmer
Seit Barack Obama wieder so etwas wie Zukunftsperspektiven bieten kann, sieht die US-Politik plötzlich interessanter aus als die ganze IT-Branche. Ein Blick in die Forschungslabors ist erst nach Durchtrennen der Spinnweben möglich. Wir haben ihn trotzdem gewagt - und das Grauen gesehen.
"Yes, you can" werden wir nun in den nächsten Wochen und Monaten noch öfters von Obama 2.0 hören. Wenn daraus bloß kein "How could you?" wird. Und die .MCCAIN-Bubble ist Vergangenheit. Schauen wir in die Zukunft. Was tut sich Neues in der Produktentwicklung?
Zuerst einmal: Wenig. Auch 2012 wird man in den USA für eine ordentliche Wahl anstehen müssen. Und das neue Windows bietet als großartige Innovation eine Toolbar an, die einem als Mac-User durchaus bekannt vorkommen wird und dort Dock heißt. Diese Idee wiederum stammt ausgerechnet von einem Produkt, das NeXT hieß und leider ähnlich erfolgreich war wie Mobilfunkverträge für Trappistenmönche.
Also schauen wir uns lieber in anderen Labors um. Solche Produkte können 3-D-Printer herstellen. Nicht schlecht, schlimmer sehen die Spielkonsolen von Sony auch nicht aus. Den vernachlässigbaren Formfaktor sollte man im Auge behalten, wenn man sich neue Projekte von Microsoft Research anschaut. Zumindest sieben davon. Eines besteht darin, Surface - das iPhone für zu groß geratene Ballmer - auch in 3-D zu ermöglichen. Gut, das kommt dem rhetorischen Stil des Oberchefs schon ein wenig näher.
Auch nicht blöd sind Mechanismen, die Fotos aus dem Handy automatisch auf den Server laden. Etwas blöder war leider der Autodieb, der sich unbedingt mit einem gestohlenen Hörknochen fotografieren musste und das Feature noch nicht kannte.
Man sollte sich dabei aber nicht lustig machen über die mangelnde Einbildungskraft von Mitmenschen. So wie das ausgerechnet zu Halloween AOL mit Google gemacht hat. Gut, Google Mail sieht aus, als hätte Steve Jobs in den späten 90ern ausnahmsweise selbst eine Fortbildung als Webdesigner absolviert. Im Moment beschäftigt sich Google einfach lieber mit alten Büchern, aber 2009 wird sicher wieder alles ganz anders und sehr innovativ. Man muss ja nicht immer nach vorne schauen.
Zurück. Die Namen werden dümmlicher, aber der Service umfassender. Und er soll irgendwie kostenlos bleiben. VoxOx ahmt hoffentlich nicht das Stottern von VOIP-Verbindungen nach und hat auch nichts mit stimmgewaltigen Stierkastraten zu tun. Es handelt sich vielmehr um ein Alles-in-einem- Kommunikationsservice mit Chat, Video, Telefon, Mail, Social Network [Als ob da irgendjemand mit einem reden würde] und so viel mehr. Stell Dir vor Du, hast VoxOx, und keiner will was von Dir. Das löst dann sicher LonelyOnly als kostenpflichtiger Zusatzservice.
Auch frisch und schon ein wenig stärker eingegrenzt ist Juice als Plug-in für Firefox, das sich als Discovery Engine vorstellt und helfen soll, noch viel mehr im Web zu entdecken und in eine Ordnung zu bringen. Wem das nicht reicht, der kann sich mit Encyclopedia zwei Gigabyte Wikipedia auf sein iPhone laden, um dann offline darin herumzustöbern. Genau deshalb hat man sich ja ein Telefon mit Internet-Anschluss gekauft.
Wenn man also die Entwicklungen der letzten vier Wochen zusammenfassen will, dann warten wir hier auf einen Plotter, der das gesamte Internet so groß wie ein iPhone in 3-D ausdruckt, das dann allen auf auf allen Kanälen mitteilt und den ganzen Krempel schließlich an Google verkauft. Das würde als Jahresabschluss-Erfindung für 2008 irgendwie reichen.
(Harald Taglinger)
