Rekordzugriffe dank der US-Wahl

02.11.2008

Politische Blogger haben derzeit in den USA Hochkonjunktur. Doch der extrem polarisierte Wahlkampf führt auch zu einer sehr einseitigen Diskussionskultur. Nicht jedem Blogger ist das lieb.

Wenn die Bürger der USA am Dienstag über ihren nächsten Präsidenten entscheiden, dann endet damit für viele US-Blogger eine der aufregendsten Zeiten ihrer Online-Publikationskarriere.

"Ich bin mir nicht mal darüber im Klaren, was ich am Tag nach der Wahl machen werde", meint etwa der politische Journalist und Blogger Marc Cooper. "Mein ganzes Leben wird plötzlich wieder normal sein."

Cooper ist Redakteur des liberalen Online-Magazins Huffington Post, der die Wahl Millionen neuer Leser eingebracht hat. Das Online-Magazin profitierte dabei vom Aufstieg Barack Obamas, den man bereits während der Vorwahlen favorisierte.

Zugriffsrekorde gibt es jedoch nicht nur unter Obama-freundlichen Blogs. So verzeichnete das konservative Blogger-Netzwerk Pajamas Media eigenen Angaben zufolge im September mehr als 60 Millionen Seitenzugriffe.

Pajamas Media vereint die Blogs zahlreicher zumeist konservativer Autoren. Zu den bekannteren Pajamas-Bloggern gehören Glenn Reynolds [Instapundit.com], Michelle Malkin und Charles Johnson [Little Green Footballs].

Pressekonferenzen für Blogger

Derartige Zahlen waren auch den Kampagnen beider Kandidaten nicht lange verborgen geblieben. So weiß Pajamas-Media-CEO Roger L. Simon zu berichten, dass er als konservativer Blogger täglich Dutzende von E-Mails von McCains Mitarbeitern bekommt. "Meine Inbox ist so voll, dass ich das meiste davon lösche", berichtet Simon.

Die Wahlkämpfer bemühen sich auch sonst um eine aktive Einbindung der Blogosphäre. "Sie organisieren Telefonkonferenzen für Blogger", erzählt Simon. "Manchmal mit McCain selbst, manchmal mit seinen Pressesprechern."

Dumme Diskurse

In den letzten Wochen hatten harte Töne den US-Wahlkampf dominiert. McCain bezeichnete Obamas politisches Programm als Sozialismus, Obama verglich McCain mit dem höchst unpopulären George W. Bush.

Diese Polarisierung machte auch vor der Blogosphäre nicht halt. So liefern sich Autoren regelmäßig Scharmützel mit Lesern, die anderer Meinung sind. Simon glaubt, dass beide Kampagnen ganz gezielt Kommentare auf gegnerischen Blogs hinterlassen. Gut findet er das jedoch nicht. Sein Fazit: "Polarisierte Diskurse sind ziemlich dumm."

Mehr dazu um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix"

Janko Röttgers sprach in Los Angeles mit Pajamas Media-CEO Roger L. Simon und Huffington Post-Redakteur Marc Cooper.

(Janko Röttgers)