Liebling, ich bin doppelt

25.10.2008

Die IT-Branche ist voller Doppelgänger. Kunststück, schließlich hat man hier Copy & Paste erfunden. Aber die Konsequenzen daraus lassen sich bis heute nicht vollends abschätzen.

Ist das nicht? Nein, das ist nicht der Buchhalter aus der Kantine, der nur mit dem Gummibaum zu sprechen scheint. Den Kerl hier kennen wir aber auch. Nicht nur aus dem Apple-Werbespot. Nein, auch von dem für ein ähnliches Nischenprodukt aus Redmond. Und dann ist der Mensch auch noch hier zu sehen. Und hier sowieso. Vermutlich ist dieser Wälzer auch noch von ihm.

Heute Nacht werde ich irgendwann schweißgebadet aufwachen und glauben, dass er neben mir liegt, wirres Zeug reden und mich bekreuzigen. Vermutlich ist das dann aber meine Frau mit Hornbrille, schlechter Scherz, meine Liebe. Doppelgänger sind überall. Vor allem dort, wo Kopieren eigentlich zur Grundfunktion der Basismaschine gehört. Ständig kopiert ein Computer. Ob es den Hütern des Copyrights nun passt oder nicht. Jeder Befehl, jeder Bildpunkt ist nichts anderes als die Kopie eines Bits, das per Stromstoß weitergeschubst plötzlich auf 1 steht. Wen wundert da die viele Doppelgängerei.

Kopie des Computers

Sogar die Kopie eines Computers gibt es inzwischen für den Gegenwert zweier maßvoller Tankfüllungen zu kaufen. Die Dinger sind inzwischen so kleinkopiert, dass sie sogar in Spionagemünzen passen. Und mit manchen der Rechner kann man heute, nicht morgen viel mehr nur telefonieren. Schon das eine merkwürdige Doppelgängerei.

"Sagen Sie, standen Sie früher nicht mit einem Kabel im Hintern auf der Kommode meiner werten Großmutter?" Darauf er: "Mitnichten, mein Herr. Ich kann navigieren, shoppen, SMSen, chatten, browsen und gebe nur vor, jeden telefonisch erreichbar zu machen." Erschütternd. Sogar dirigieren kann man in Japan mit diesen Dingern.

Jetzt fehlt nur noch, dass man in ihren Displays als Simulation erscheint. Sogar das gute alte Bekleidungsgeschäft kann man inzwischen als Suchmaschine verkleidet im Internet finden [liefert nur innerhalb der USA, als ob da noch jemand Geld hätte außer für brennende Ölfässer und ein wenig Erbseneintopf im Freien. Investmentbanker sein war auch schon einmal erhebender.].

Und wenn man sich endlich einmal auch richtig mies fühlen will, dann kann man sich einfach diese Mail selbst schicken und so tun, als wäre man gerade von Jerry Yang gekündigt worden. Man kopiert sich kurzerhand in den Niedergang von Yahoo hinein, solange es die Firma noch gibt.

Es gibt auch Originale

Aber wir wissen, nicht jede Kopie ist erwünscht. Deshalb hier am Schluss noch einmal Redmond mit einem Hinweis, dass es noch Originale in der IT gibt. Genuine Spaßmacher, die ungern kopiert sein wollen. Und so kann man hier abschließend als Kopie gezeigt auch lesen:

"Reduced functionality has been a part of the initial Windows XP product activation process for retail and OEM installations. As with Windows XP, after initial installation and the conclusion of the 30-day grace period, product activation will be required. In addition, systems in a non-genuine state will be required to reactivate within a 30-day grace period. If a system fails to activate, it will go into a reduced functionality mode. In this mode, there is no start menu, no desktop icons, and the desktop background is changed to black. The Web browser will function and Internet connectivity will not be blocked. After one hour, however, the system will log the user out without warning."

Da ist dann wirklich Schluss mit lustig.

(Harald Taglinger)