Im Namen des Internets

18.10.2008

Man muss nicht unbedingt einen irreführenden Produktnamen erfinden, um in diesen Tagen schlechte Börse zu machen, aber es hilft schon ein wenig. Auf jeden Fall entspannt es Kunden.

Fassungslos. Doch, fassungslos habe ich die Maus sinken lassen und bin erst einmal an die frische Luft gegangen. Da haidert mich jemand wirklich aus meiner Fasson, auch wenn ich gerne zugestehe: Es kommt ja aus den USA, da kann man das ja nicht wissen. Da würde man vielleicht mit Weihwasser und dem Allmächtigen arbeiten, wenn man es auch nur wüsste ... Also, ich meine Wix.com, und das heißt ja auf Englisch nicht wirklich etwas.

Aber es will schon etwas heißen, wenn man dieses gar nicht einmal uninteressante Produkt im heimischen Sprachraum nutzen will. Es verkrampfen sich ein wenig die Finger auf der Tastatur, wenn man Marketing-Headlines wie "Wix MySpace" und "Wix of the day" oder gar "See wix in action" lesen muss.

Gut, bei Marketingsprüchen können spastische Lähmungen auftreten. Das ist nicht neu und soll neuerdings sogar dann passieren, wenn Apple allen Ernstes Menschen vorführt, wie man aus einem Block Metall einen Laptop herstellt. Aber hier stellt sich schon die Frage, ob man aus Gründen der Sitte und des guten Geschmacks lachen DARF. Auch wenn man einen gewissen Selbstbefriedigungsfaktor über das Internet zumindest zugesteht. Wenn auch unfreiwillig.

Blick bleibt hängen

Einmal infiziert und unter Heidenanstrengungen aus den wirklich pubertären Abgründen des eigenen Humors herausgefunden, will sich der Blick aber nicht mehr beruhigen. Er macht das, was er nicht machen sollte. Er bleibt hängen. Er ist sozusagen eyealike, wie die gleichnamige visuelle Suche, und will wissen, ob das nicht eher brainalike heißen sollte. Schließlich sagt das Auge ja nur Du, da steht ein Wort, das ich nicht lesen kann, wart mal , und das Hirn sagt Au, das verstehe ich, auch wenn es mich nicht interessiert . Und das Marketing hat schon verloren, auch wenn mein Auge und mein Hirn gar nicht sprechen können, das macht mein Mund zusammen mit den Stimmbändern. Aber das nur nebenbei.

Mimose statt Mint

Es ist ein Virus, plötzlich pingelig sein zu wollen. Was hat zum Beispiel ein Farbton oder ein Küchengewürz wirklich mit meiner Haushaltslage zu tun? Mint ist da doch vollkommen falsch ausgewählt. Im Moment wäre Mimose nett oder Sumpfdotter oder irgendetwas, das nach staatlicher Unterstützung klingt.

Ohne Hilfspaket ist man heutzutage ja kein ernstzunehmender Steuerzahler mehr. Und wieso ist bitte mein Büro offen und das dritte? Ich habe nur eines, auch wenn ich die gleichnamige Software nutze. Ich will ja gar nicht von einem beweglichen Feuerfuchs sprechen, der für mobile Fenster gedacht ist. Mobile Fenster, die nicht an einem Haus fest montiert sind, haben einen unglaublich niedrigen Gebrauchswert. So wie diese Mundpropaganda für gute Produkte mit einem Namen, der alles mögliche bedeuten könnte.

Trnd.com ist eine Abkürzung für Trachtendirndl . Gut, möglich wäre es. Keine Ahnung, was diese komischen Wörter mit mal zu vielen, mal zu wenigen Vokalen heißen sollen. Das kann TV bedeuten oder auch einen Magenbitter aus dem Böhmischen darstellen. Wer weiß das heute noch so genau. Das hier klingt auch nach Fannerl, ein Helles, aber bitte mit Schaum , und nicht nach einem Portal für Inhalte.

"Cementheads"

Gut, man kann auch Pech haben mit seinem Namen wie die nach herkömmlichen Stromformen benannte australische Uralt-Kenn-ich-noch-aus-dem-Kindergarten-Band AC/DC. Da hat man schon einen modernen Namen, will dann doch nicht via iTunes verkauft werden und muss dann doch mit ansehen, wie 400.000 Raubkopien durch das Netz schwirren. Da würden sich die Herren vielleicht gerne "Cementheads" nennen oder so.

Immer noch besser als WE ARE US, was wie Wir sind alle Amerikaner klingt und dann doch Social Networks für Ungesunde anbietet. So krank können die USA nun auch wieder nicht sein. Und ein vollkommenes Rätsel blieb mir eine arabische Suchmaschine mit englischen Buchstaben. Google liefert weder bei Arabisch - Englisch noch bei Englisch - Arabisch eine Übersetzung von Yamli . Ich werde das Wort bei meinem nächsten Besuch an einem Schawarma-Stand halblaut aussprechen und schauen, ob ich deshalb gleich auf dem Spieß lande.

Ach, so kann das ewig weitergehen. Es ist ja eine Kinderei, denn Namen sind Schall und Rauch. Wem das alles nicht reicht, der gehe da hin und finde mehr Zeitungsenten. Wobei ich ehrlich sein will: Eigentlich sind das nicht einmal übertragen gesagt Enten. Aber das war jetzt eh klar.

(Harald Taglinger)