Ubuntu 8.10: Mehr Mobilität für Pinguine
Die neueste Version der populären Linux-Distribution Ubuntu zielt vor allem darauf ab, das Betriebssystem für den Einsatz auf Mobilcomputern attraktiver zu machen. Auch bei Sicherheit und Administration hat das System, das nun unter dem Zeichen des Steinbocks steht, viel zu bieten.
Pünktlich zum angekündigten Termin und streng nach Release-Zyklus ist am Donnerstag das neue Ubuntu 8.10 "Intrepid Ibex" ["unerschrockener
Steinbock"] erschienen.
Das vor vier Jahren aus der Taufe gehobene Betriebssystem, das auf der Linux-Distribution Debian basiert, will mit seinem jüngsten Spross den mobilen Einsatz von Linux vereinfachen.
Besser vernetzt
Für Notebook-User bedeutet das eine bessere Unterstützung der 3G-Netzwerke UMTS und GSM sowie breiteren Support für WLAN-Adapter verschiedener Hersteller.
Dank Kernel 2.6.27 darf auch erstmals mit dem schnellen 802.11n-Netzwerk gefunkt werden. Ein neuer Treiber für das Video4-Linux-Framework soll zudem die Zusammenarbeit mit integrierten Webcams vereinfachen, die in zahlreichen Netbooks verbaut sind.
Eine komplette Liste von Features des neuen Kernels, darunter der
erweiterte Support für Audio- und DVB-Karten, findet sich hier.
Software und Administration
So weit die Hardware, doch wie sieht es bei der Software mit dem Steinbock aus? Rein äußerlich hat sich wenig gegenüber Vorgänger 8.04 verändert, die Oberfläche erscheint standardmäßig noch immer in satten Brauntönen. Wer sich damit nicht anfreunden kann, hat die Qual der Wahl zwischen mehreren alternativen Farbkombinationen.
Unter der bekannten Oberfläche werkt das bewährte Gnome-Desktop-System, die Arbeit damit sollte dank neuer Version 2.24 und X.Org 7.4 flotter vonstatten gehen als noch beim Vorgänger.
Die Administration des Systems wirkt im Vergleich aufgeräumter und wurde auf einige Kernpunkte konzentriert. Der Netzwerkmanager wurde im Sinne der verbesserten Mobilität von Grund auf überholt und bietet eine vereinfachte Handhabung unterschiedlicher Verbindungsprotokolle. Egal ob Firmen-WLAN oder Handy - der Manager erkennt angebotene Verbindungsmöglichkeiten in der Regel sofort und lässt diese mit wenigen Mausklicks einrichten.
Mit dieser Hardware läuft Ubuntu
Verschlüsselung im Heimverzeichnis
Auch in Sachen Kryptographie hat sich einiges getan. Wer nicht die ganze Festplatte verschlüsseln will, bekommt ab installation einen "Privat" genannten Ordner ins Home-Verzeichnis. Ist einmal das Passwort gesetzt, kann der Inhalt nur noch durch dessen Eingabe eingesehen werden.
Wer den Dateimanager Nautilus nutzt, hat künftig die Möglichkeit, mehrere Ansichten des Dateisystems, wie von modernen Web-Browsern gewohnt, mittels Tabs zu organisieren. Die Optionen zur Archivierung und Dekompression von Dateien wurde um Formate wie rzip, CAB und 7z erweitert.
Bewährte Software
Ansonsten bietet Ubuntu 8.10 Altbewährtes und Gewohntes in aktualisierter Form. Mit OpenOffice 2.4.1 wird weiterhin eine taugliche Alternative zu Microsoft Office geboten.
Für Bildbearbeitung gibt es The GIMP 2.6 und für die Organisation privater Fotos das Programm F-Spot. Grundsätzlich werden für sehr viele Aufgabenbereiche - von 3-D-Modellierung mit Blender bis zur Audioproduktion mit Ardour - bereits Open-Source-Lösungen geboten.
Problem Hardware-Unterstützung
Probleme, die auf schlechte Treiberunterstützung durch Hardware-Firmen zurückzuführen sind, gibt es auch unter 8.10. Diese wird es auch weiterhin geben, solange kein Umdenken in der Hardware-Industrie erfolgt.
Dazu gehören nicht funktionierende Ruhezustand- und Stand-by-Modi, Konflikte bei der Verwendung von mehreren Monitoren und schlecht implementierte Stromsparfunktionen.
Die Open-Source-Gemeinde rund um Ubuntu und die anderen Linux-Distributionen kann hier nur bedingt helfen, der mahnende Zeigefinger gebührt der Industrie.
Wer neugierig geworden ist, aber noch Zweifel hat, kann die Live-CD-Funktion von Ubuntu nutzen. Ohne eine Veränderung am bestehenden System vorzunehmen, kann Linux direkt von CD gestartet
werden.
Neue Versionen von Kubuntu & Co.
Abschließend sei noch gesagt dass die Ubuntu-Derivate Kubuntu, Xubuntu, Edubuntu und Ubuntu Studio ebenfalls in der Version 8.10 erschienen sind und von den entsprechenden Updates profitieren.
Während Kubuntu und Xubuntu mit KDE und Xfce
Alternativen zur grafischen Standardoberfläche GNOME bieten, verfolgen Edubuntu und Ubuntu Studio einen anderen Ansatz.
Richtet sich Edubuntu von seiner Auswahl der Software-Pakete her an Schulen, wird mit Ubuntu Studio der Versuch einer Multimedia-Workstation verfolgt. Wer wissen will, wie gut sich Linux im Bereich Grafik, Film- und Musikproduktion schlägt, dem sei Ubuntu Studio ans Herz gelegt.
Weiterführende Links:
(Michael Maurer)
