"ISPA als kompetenter Ansprechpartner"
Seit 1. Oktober steht Andreas Wildberger als Nachfolger von Kurt Einzinger in der Funktion des Generalssekretärs der Internet Service Provider Austria [ISPA] fest. ORF.at hat Wildberger anlässlich des Internet Summits Austria getroffen und mit ihm über seine Ziele gesprochen.
Anfang November wird Wildberger seinen neuen Job antreten und will sich dabei auch mit seinen bisherigen Erfahrungen als Wirtschaftsinformatiker und Informationsmanager einbringen.
ORF.at: Wie sehen Sie ihre Rolle als Generalsekretär der ISPA, wie definieren Sie ihre Aufgaben? Und was ist für Sie die Rolle der ISPA selbst?
Wildberger: Die Interessen der ISPA müssen vorangetrieben werden. Dabei sollte einerseits Bestehendes weitergeführt, aber auch ein Sensorium für Neues aufgebaut werden. Die ISPA selbst sollte ein kompetenter Ansprechpartner in Sachen Informations- und Kommunikationstechnologie [IKT] sein.
ORF.at: Als Ersatz oder Komplementär für die zwar versprochene, aber nie realisierte zentrale Ansprechperson für IKT-Fragen der heimischen Bundesregierung?
Wildberger: Eine zentrale Ansprechperson innerhalb der Bundesregierung wäre sicher hilfreich, das kann aber auch durchaus die ISPA selbst sein.
ORF.at: Haben Sie eigentlich besondere Wünsche an die neue Bundesregierung?
Wildberger: Die ISPA sollte von der Bundesregierung als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen werden, um unsere Anliegen auch in die richtigen Kanäle leiten zu können.
ORF.at: Als Verband der heimischen Internet Service Provider müssen Sie ja auch innerhalb der eigenen Reihen verschiedenste Interessensgebiete unter einen Hut bringen - auf der einen Seite steht die exstaatliche Telekom Austria und auf der anderen Seite die mehr oder weniger an deren Gängelband hängenden kleineren Anbieter. Wie sehen Sie diesen Konflikt?
Wildberger: Diese Spannungen innerhalb der ISPA sind sicher ein Thema, aber ein Thema von vielen. Man muss schauen, dass man die Ziele so formuliert, dass alle mitkommen.
Andreas Wildberger ist Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften [Dissertationsfach Wirtschaftsinformatik] und war zuletzt Wirtschaftlicher Experte bei der Österreichischen ForschungsförderungsgmbH [FFG], wo er sich laut eigenen Angaben viel mit Wissensmanagement befasste. Seit drei Jahren ist Wildberger Vorsitzender des Fördergeschäfts der Internet Privatstiftung Österreich. Davor war er für ein schweizerisches Spin-Off tätig, das aus einer Forschungstätigkeit zum Thema Informationsmanagment entstand. 1993 brachte Wildberger den ersten deutschsprachigen Internet-Führer ["In 8 Sekunden um die Welt"] heraus und war auch im Rektorat der WU Wien tätig.
ORF.at: Wie sehen Sie das Thema Telekomregulierung und die Diskussion rund um die Abtrennung der Festnetzsparte der Telekom Austria, die ja von verschiedenen Seiten aus unterschiedlichen Beweggründen geführt wird?
Wildberger: Persönlich möchte ich dazu noch nicht Stellung nehmen, der Standpunkt der ISPA bleibt aber unverändert. Das ganze Themenpaket ist aber nicht das alleinige Thema der ISPA, auch wenn es wichtig und heikel ist. Ich würde gerne den Pathos aus der Diskussion rausnehmen, als Pragmatiker bin ich eher zielorientiert.
ORF.at: Wie viel haben Sie, als bisher vor allem Beobachter von außen, von der ganzen Diskussion mitbekommen?
Wildberger: Sie war vor allem reaktionsgetrieben, ich würde mich da gerne pro-aktiv einbringen. Sie wird bis zu einer Lösung ein ewiges Thema bleiben, auch weil es unvermeidlich ist.
ORF.at: Was werden Sie als Erstes in ihrem neuen Job angehen?
Wildberger: Ich möchte gerne einen Strategieprozess innerhalb der ISPA anstoßen, denn es ist wichtig, klar zu wissen, wohin man man will. Wenn man selbst stark und fest ist, kann man sich auch den Herausforderungen und Diskussionen stellen.
Der bisherige ISPA-Generalsekretär Kurt Einzinger kündigte an, sich selbstständig machen zu wollen. Eine offizielle Amtsübergabe soll es nicht geben, die Übergabe des Büros soll Ende Oktober erfolgen.
(futurezone | Nadja Igler)
