Brenn, Business-Angel, brenn!

04.10.2008

Wenn der dritte Lehman-Brother von links seinen Lieblingshumidor verheizen muss, um sich im New Yorker Herbst die klammen Finger zu wärmen, wird es auch für IT-Start-ups eng. Jetzt können nur noch Barack Obama und Genmais-Bauer Joe das Internet retten.

In der Hölle würde man das eine "ganz normale Woche" nennen. Das US-Repräsentantenhaus diskutiert ein 700 Milliarden-Hilfspaket, also ein Wiederaufbauprogramm für die Wall Street, noch höher als das nach dem Zweiten Weltkrieg oder dem Abenteuer im Irak. Dann geht es in einen Kurzurlaub.

Die Abgeordneten entscheiden sich für die nobelste Geste erwachsener Menschen: Kopf runter. Und inzwischen begreift man, dass auch die Branchen abseits der Banken jetzt ein kleines Hoppsala zu erwarten haben. Wer investiert schon in Internet und Start-ups, wenn überhaupt kein Geld mehr da ist? Die Business Angels rollen ihre Flügel ein und machen sich an den Kassensturz.

Ach, und das mitten in den letzten 30 Tagen vor der Wahl, wo es jetzt der ganzen Welt nur noch um Amerika geht. Das wird sicher noch spannend weiterzuverfolgen sein. Man lässt uns auf einen schwarzen Kennedy hoffen, der in seinem Wahlprogramm den intensiven Ausbau des Internets in Zonenrandgebieten ankündigt. Also vermutlich in Idaho und Kabul.

Das wäre dann vielleicht der 51. wichtige Moment im Internet, wenn selbst der Maisbauer im Cornbelt seine Kuhfotos per Highspeed ansaugt und zwischendurch lesen kann, dass es nicht gut aussieht, nach acht Jahren Segelohren überm Präsidentenanzug. Aber wenden wir uns mit Grauen ab und endgültig dem Internet zu.

Das wird durch diese Ereignisse eine andere Entwicklung nehmen. Wie, das wissen wir nicht, wir haben uns abgewöhnt, so blödes Zeug wie Vint Cerf über das "Next Internet" zu schwafeln. Vielleicht hat der vergessen, dass eine Miterfindung von TCP/IP und schlecht sitzende Anzüge noch keinen Propheten machen. Oder er nutzt einfach in Zukunft für bessere Ideen das hauseigene Tool und befragt die Cloud... Crowd, na, den Mann auf der Strasse, oder die Frau. Irgendwen halt.

(Harald Taglinger)