Presseförderung auch für Online-Medien
Zum Auftakt der Wiener Medientage hat Medienministerin Heidrun Silhavy [SPÖ] vorgeschlagen, die Presseförderung auch auf Online-Medien auszudehnen. Verleger Hans-Jörgen Manstein beklagt die Boulevardisierung der heimischen Medien.
Die Ausweitung der Medienförderung hält die für Medien zuständige Ministerin Silhavy für eine "vordringliche Aufgabe in naher Zukunft". Ein Teil der Presseförderung solle künftig in den Online-Bereich fließen, schließlich sei "heute fast jede Zeitung auch im Internet vertreten", ein weiterer Teil soll für Journalistenförderung zur Verfügung gestellt werden, so die Ministerin am Mittwoch im Rahmen der Österreichischen Medientage. Staatliche Finanzspritzen stellte sie darüber hinaus für den Zeitschriftenbereich in Aussicht.
Förderung für Privatsender
Silhavy bedauerte, dass die von der Regierung in Angriff genommene Förderung für Privatsender aufgrund der Neuwahl auf die lange Bank geschoben wurde. Sie beteuerte aber, sich dafür einsetzen zu wollen, dass dieses Versprechen umgesetzt werde, um die Wettbewerbsfähigkeit der Privaten nachhaltig zu stärken.
In ihrem Eingangsstatement appellierte Silhavy außerdem für mediale Selbstregulierung und die Errichtung eines umfassenden Presserats, der auch die neuen Medien einbeziehen solle. "Eine neue Form der Selbstregulierung ist unabdingbar", so die Ministerin. Dafür sei sie auch bereit, "ein Budget zur Förderung bereitzustellen".
Postdemokratische Mediendiktatur
Der Verleger und Mitveranstalter der Medientage, Manstein, kritisierte in seiner Eröffnungsrede die zunehmende "Boulevardisierung und Verflachung", die in der österreichischen Medienlandschaft Einzug gehalten habe.
Er warnte davor, dass die Medien immer mehr dazu neigten, "selbst Macht auszuüben, statt zu kontrollieren. Aus der vierten Gewalt wird zunehmend die dritte", so Manstein. Es sei "ein Zeichen von Diktatur, wenn die veröffentlichte Meinung der öffentlichen entgegengesetzt ist" und sich Medien als Machthaber aufspielten. "Diese Entwicklung scheint mir postdemokratisch zutiefst hinterfragenswert zu sein."
Gewohnt optimistisch gab sich News-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt. Das Motto der heurigen Medientage lautet: "Was kommt - was bleibt". Voigt hält die Medienbranche "entgegen allen Unkenrufe für vitaler denn je". Als Beweis führte er die diversen Zeitungs-, Magazin- und Sendergründungen aus dem Vorjahr ins Treffen und sprach von einem wahren "Medienfrühling".
"Inhaltliche Challenge"
Künftig stünden die Medienhäuser vor fünf Herausforderungen, so Voigt: Das sind die "mediale Challenge", also die Verzahnung und Integration der verschieden Mediengattungen, sowie die "redaktionelle und inhaltliche Challenge", was Voigt auf eine ausgewogene Berichterstattung bezieht.
Weiters warnte Voigt vor Dumpingpreisen auf dem Anzeigen- und Vertriebsmarkt und appellierte an die Politik, drohende Werbebeschränkungen und Werbeverbote aus Brüssel abzuwehren. Wie jedes Jahr forderte der Verleger erneut die Abschaffung der Werbesteuer. Letzte Herausforderung ist die "Standortchallenge", hier sieht er Wien "bestens unterwegs".
(APA)
