Adobe stellt Creative Suite 4 vor
Anlässlich der Photokina hat Adobe die neue Version seines Gestaltungssoftware-Pakets Creative Suite 4 vorgestellt. Im Vordergrund stehen dabei neue Features für Animations- und 3-D-Gestaltung. Auch die Oberflächen der Programme hat Adobe weiter vereinheitlicht.
Nachdem sich in den letzten Tagen vor der Photokina eine ganze Reihe der großen Hersteller im Bereich Foto und Bildbearbeitung mit vollmundigen Ankündigungen gegenseitig übertrumpft hatten, legte nun ein weiterer Riese nach: Adobe kündigte am Dienstag die neue Version 4 seiner Creative Suite an.
Erstmals werden alle Produkte, die Adobe in dieser Suite für Bildbearbeitung, Print, Web, Video, Flash und Internet-Applikationen vereint, gemeinsam angekündigt. In einem von 250.000 Zusehern verfolgten Webcast am Vormittag stellte Adobe die wichtigsten Details der einzelnen Programme vor.
Neue Oberfläche
Gemeinsam ist erstmals auch ein einheitliches User-Interface für alle Programme - auch für den Web-Editor Dreamweaver und das Web-Grafikprogramm Fireworks, die beide 2005 von Macromedia übernommen wurden und zuletzt noch das alte Macromedia-Interface mit sich herumgeschleppt hatten.
Arbeitserleichterung verspricht die Anordnung der offenen Dokumente in Tabs, die viele User von Browsern wie Firefox und Internet Explorer 7 kennen und schätzen.
Neues einheitliches User-Interface für alle Adobe-CS4-Programme
==Photoshop CS4==
Sicher die meisten Innovationen hat das Flaggschiff Photoshop für sich zu verbuchen. Es sind weniger komplett neue Features als vielmehr die bereits immer wieder im Vorfeld von Adobe angekündigten Verbesserungen bei der Performance und vor allem beim Handling der immer üppiger ausgestatteten Programme, die diese neue Photoshop-Version ausmachen.
Drei der Features in dieser Richtung sind die 64-Bit-Unterstützung [leider nur für Vista], eine weitgehende Hardware-Unterstützung bei der Bilddarstellung, die flüssiges Zoomen und Bewegen selbst von Bildern im Gigapixelbereich erlaubt, und die frei drehbare Arbeitsfläche, die vor allem bei Malarbeiten und bei Retusche ideal ist.
Hardware-Beschleunigung und drehbare Arbeitsfläche in Photoshop CS4
Die 3-D-Features von Photoshop, die mit der Vorversion CS3 ins Spiel gekommen waren, erfuhren ebenfalls einige Verbesserungen. So ist es jetzt möglich, direkt auf 3-D-Modellen zu malen und zu retuschieren, was früher nur nach Öffnen der Texturen [Bildoberflächen] des 3-D-Modells möglich war.
Verzahnt wurden die 3-D-Funktionen mit der Panoramafunktion "Photomerge", die Einzelbilder zu Panoramen zusammenfügt. Hier werden nun auch kugelförmige Panoramen [360 x 180 Grad] unterstützt, die dann als 3-D-Ebenen auch räumlich betrachtet und vor allem auch in der 3-D-Ansicht retuschiert werden können.
Kugelpanorama als 3-D-Ansicht
Die Einstellungsebenen für die Farb- und Tonwertkorrektur und viele andere Bildbearbeitungsfunktionen wurden mit einem neuen Interface versehen, um eine solche Ebene mit einem Mausklick einfügen zu können.
Auch wenn technisch die Möglichkeit bereits bei der Version CS3 bestand, setzt Adobe das nun erstmals standardmäßig in Photoshop ein: Flash-Applikationen innerhalb der Benutzeroberfläche. Das Online-Farbkompositionswerkzeug "kuler" ist nun als Palette im Programm integriert. In dieser Hinsicht ist nach ersten, noch allgemein gehaltenen Informationen von Adobe-Mitarbeitern noch einiges zu erwarten.
Neue Paletten in Photoshop CS4: 3-D-Funktionen, das Flash-Programm "kuler" und die neue Einstellungspalette
Ein echter Blickfang ist das neue "Content Aware Scaling", das es erlaubt, beim Verkleinern oder Vergrößern von Bildern bestimmte Bildbereiche auszunehmen und für die Skalierung lediglich "unwichtige" Bildteile zu benutzen. So kann man z. B. eine Personengruppe zusammenrücken lassen, ohne die Personen selbst zu verändern, nur die Zwischenräume werden kleiner.
Photoshop CS4: Das neue "Content Aware Scaling"
==InDesign CS4==
Das Satz- und Layout-Programm InDesign hat zwei wichtige neue Features an Bord, die vor allem für Druckprofis interessant sind: Man kann jetzt mit der Funktion "Live Pref-light" den Test des Dokuments auf einen bestimmten Standard für die Ausgabe, z. B. PDF/X-3, den viele Druckereien verlangen, nicht mehr nur am Ende der Produktion machen, bevor ein PDF erzeugt wird, sondern diesen Check permanent im Hintergrund mitlaufen lassen. Probleme mit Bildern und Schriften werden sofort angezeigt.
Das zweite Feature ist die drehbare Montagefläche für einzelne Seiten, die es erlaubt, gestürzten Text, beispielsweise für einen Buchrücken, am Bildschirm zu bearbeiten, ohne sich den Kopf zu verdrehen.
Weitere neue Features von InDesign betreffen vor allem den Datenaustausch in der Massenproduktion, also im Zeitungs- und Magazindruck.
InDesign CS4: Drehbare Arbeitsfläche für gestürzten Text
==Illustrator CS4==
Bei den Verbesserungen von Adobe Illustrator stand vor allem die Integration mit Flash im Vordergrund. Die Vorbereitung von Vektorzeichnungen für die Weiterverarbeitung zu Web-Animationen kann weitgehend in Illustrator erledigt werden.
Für all jene Grafiker, die beim alten Freehand von Macromedia, das nach der Übernahme durch Adobe eingestellt wurde, der Möglichkeit nachtrauerten, mehrseitige Dokumente anlegen zu können, gibt es nun mehrere Zeichenflächen in einem Dokument.
Illustrator CS4: Mehrere Arbeitsflächen in einem Dokument
==Flash CS4==
Augenfälligstes neues Feature bei Flash CS4 ist sicher die Einführung von 3-D-Funktionen. Nachdem bisher nur in der Flash-eigenen Programmiersprache Action-Script 3 geschriebene 3-D-Lösungen von Dritten wie Papervision vorliegen, gibt es nun in Flash zumindest für Bild- und Videoebenen echten 3-D-Support.
Flash CS4: Videos als animierte 3-D-Ebenen
Für diejenigen, die Animationen in Flash erstellen, führt die Version CS4 eine sehr brauchbare Neuerung ein, den "Motion Editor".
Optisch stark an das Video-Compositing-Programm After Effects angelehnt, lassen sich nun Bewegungen von Elementen in Flash sehr viel präziser und bequemer steuern als zuvor.
Flash CS4: Motion-Editor für die Gestaltung von Animationen
In der 3-D-Welt sind die so genannten "Inverse Kinematics" für Animationsfiguren zuständig, für die der Gestalter ein "Gerippe" konstruieren muss, damit die Bewegungen die natürlichen Beschränkungen erfahren.
Dieses Feature führt Flash CS4 jetzt für einfache Bilder ein, wobei mit wenigen Mausklicks einer Person auf einen Foto ein Gerippe verpasst werden kann, um diese dann als Figur einfach animieren zu können.
Weitere Neuerungen
Bei den Video-Bearbeitungsprogrammen gibt es eine weitere Verbesserung der Integration von Premiere Pro mit dem Compositing- und Visual Effects-Werkzeug After Effects. Eine große Arbeitserleichterung für umfangreichere Videoprojekte ist die neue Spracherkennung, die gesprochenen Text in Videoclips in eine suchbare Textbeschreibung transkibiert, die als Metadaten an die Clips angehängt werden.
Für Trainings- und Servicezwecke lässt sich nun in den wichtigsten Adobe-Programmen mit "Share Screen" der eigene Bildschirm über den von Adobe eingerichteten Web-Service "Adobe Connect" für andere zur Ansicht freigeben. Diese Möglichkeit, die es schon länger für Präsentationen, E-Learning und Web-Seminare gibt, ist nun für jedermann verfügbar.
Damit kann man anderen schnell mal etwas erklären, was ja am Bildschirm immer viel besser geht, als am Telefon oder per E-Mail.
Bis die Creative Suite 4 bei hiesigen Händlern im Regal steht, muss man sich allerdings noch etwas gedulden. Die Verfügbarkeit der deutschsprachigen Version wird mit Dezember angegeben.
(Thomas Bredenfeld)
