Verstaatlicht Microsoft und Apple!

20.09.2008

Die Bankenübernahmen in den USA sind erst der Anfang. Ab jetzt wird verstaatlicht, dass Lenin in seinem Mausoleum doch glatt wieder damit anfängt, vergnügt mit dem großen Zeh zu wackeln. Und mit der IT fangen wir an. Den ersten Fünfjahresplan haben wir auch schon fertig.

Genossinnen und Genossen,

wir leben in großartigen Zeiten, denn wir wissen, dass eigentlich nur Kamele den Verlust von mehr als 20 Prozent ihres Körpergewichts in der Natur überleben. Und nun verlieren Banken wie Morgan Stanley schon deshalb mehr als 20 Prozent ihres Aktienwerts pro Tag, weil ihr Zinsgewinn nicht gut aussieht.

Da wird wohl bald wieder der amerikanische Staat einspringen und ein weiteres Finanzinstitut übernehmen müssen. Für Summen, die dem Genossen Marine im Irak die Erdnussbutter vom Brot nehmen. Und wir stehen hier und sagen: Es ist eben doch der Staat und damit das Volk [oder war es andersherum?], die zum alleinigen Glück führen. Der Kapitalismus hat gedient und ausgedient. Siegen wird er nicht.

Also fangen wir an, der Partei unseres Vertrauens zu folgen und die Produktionsmittel vor allem in jener Branche wieder dem Proletariat zuzuführen, die immer schon mit No Ranks, No Titles dem alten Kastensystem der Bourgoisie widerstanden hat. Es lebe die Internationale der Technik: IT.

Junge Pioniere der sozialen Netzwerke greifen immer häufiger auf die sozialistisch motivierte Jugendarbeit der Gleichmacherei zurück: Hallo, ich bin die Angie, mag gerne Feten, Pferde und meine beste Freundin . Sogar im Urland der Revolution, dort wo die Bastille fiel, hat sich im Bereich Parkplatzvermietung eine Volksbewegung gebildet. Wenn sogar in Paris knappes Gut wie ein Parkplatz frei unter Arbeitern verteilt werden kann, ist einer neuen Commune wieder Tür und Garagentor geöffnet.

Nicht einmal die Enklave des bürgerlichen Urheberrechts hat noch eine Chance zu entkommen. Es wird dem Volk als Creative Commons zurückgegeben, auch wenn sich die Advokaten noch so vehement dafür oder dagegen erklären. Nachdem Wikipedia nun den bürgerlichen Brockhaus in Grund und Boden geschrieben hat, wenden sich lexikalisch interessierte Arbeiter nun der Website für nachhaltiges Leben zu. Ohne Finanzinteressen und Werbung einer Limonadefirma auf der ersten Page.

Sicher, es gibt noch einzelne Konterrevolutionäre, die sich nur das Mäntelchen des Arbeiters umhängen und sich mit seinen Früchten schmücken. So wie Apple, die erst neulich Podcaster-Genossen aus dem App Store schmissen, weil das Programm Downloads für das iPhone unter Umgehung von iTunes ermöglicht. Musik wird ein Feld bleiben, das wir noch in Aufmärschen und Maifeiern erobern müssen! Helft also dem Genossen Rupert Murdoch von MySpace, die Vorherrschaft von Steve Jobs zu brechen, so wie sich der Genosse Lenin vom deutschen Kaiser mit dem Zug nach Russland fahren ließ.

Freunde, wir stehen vor herrlichen Verstaatlichungen, und dann sind alle Formen des sozialistischen Taggings und sogar des genossenschaftichen Einkaufs da, wo sie hingehören. In festen Händen. Selbst die leidige Frage der Erkennung können wir dann guten Mutes wieder unserem Geheimdienst überlassen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ... doch ... egal ... Es lebe die Internationale der Technik! Es lebe der, Dings, äh, Kommunismus, es ist schon spät, ich muss weiter. Es hat mich sehr gefreut, küss die Hand. Die linke.

(Harald Taglinger)