Die Veröffentlichung der UNO
Die Aktivisten von Undemocracy wollen den Vereinten Nationen zu mehr Bürgernähe verhelfen. Mit ihrer Website stellen sie der interessierten Öffentlichkeit Werkzeuge zur Analyse der oft obskuren Vorgänge in der UNO zur Verfügung. Dafür nehmen sie auch gezielte Urheberrechtsvergehen in Kauf.
Burma, Tibet, Palästinensergebiete: Wenn sich der UNO-Sicherheitsrat bekannten Krisenherden widmet, schaut die Weltöffentlichkeit zu. Doch in der Regel findet das Wirken der Vereinten Nationen de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Wenn die Vertreter der UNO-Generalversammlung beispielsweise wie diese Woche den Fortschritt im Kampf gegen Aids diskutieren, dann ist das den meisten Medien nur eine Randnotiz wert.
Wer sich weiter in derartige Debatte vertiefen will, war dazu bis vor kurzem auf die offiziellen UNO-Websites angewiesen. Diese sind jedoch alles andere als nutzerfreundlich. So werden Sitzungsprotokolle und andere Dokumente dort nur in Form von PDFs zugänglich gemacht, die auf eingescannten Textdokumenten basieren. Durchsuchbar sind solche Dokumente nicht, und über Google lassen sie sich auch nicht finden.
Eine Handvoll Netzaktivisten will das mit dem Projekt Undemocracy.com ändern. Undemocracy.com bereitet UNO-Dokumente als lesbare und indizierbare Texte auf. Die Website setzt zudem auf Metadaten, um Zusammenhänge besser erkennbar zu machen. So lassen sich damit beispielsweise ganz einfach alle Entscheidungen der UNO-Generalversammlung finden, bei denen sich Österreich enthalten hat.
Auf die Mithilfe der Vereinten Nationen durften sie dabei nicht hoffen. "Die UNO handelt in einem luftigen, vagen Sinn im Auftrag der Weltbürger – aber sie sind es nicht gewöhnt, dass Leute an ihre Tür klopfen und Auskünfte begehren", sagte Undemocracy-Unterstützer Danny O'Brien dazu.
Die Gruppe ergriff deshalb die Eigeninitiative und besorgte sich die UNO-Dokumente über einen selbst programmierten Web-Spider. Danach wurden alle Dokumente per OCR in Textformate umgewandelt und mit Metadaten versehen.
Erst publizieren, dann fragen
Ganz legal war all das nicht. Die offizielle Website der UNO betont ganz ausdrücklich, dass Inhalte nur mit ausdrücklicher Genehmigung weitergegeben werden dürfen. O'Brien macht sich jedoch wenige Sorgen, deswegen Ärger mit den Vereinten Nationen zu bekommen.
Wenn man Behörden vor vollendete Tatsachen stelle, gingen diese aufgrund des PR-Faktors praktisch nie dagegen vor, weiß er aus Erfahrung zu berichten. "Das Prinzip dabei ist, nicht um Erlaubnis zu fragen, sondern um Vergebung zu bitten", so O'Brien.
Mehr zum Thema im Radio:
Am Sonntag um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix": Janko Röttgers sprach mit O'Brien in San Francisco über Undemocracy.com und andere Projekte zur Umgehung parlamentarischer Bürokratie.
Mehr zum Thema im Web:
Zwei liberale US-Stiftungen haben mit OpenCongress eine beeindruckende Plattform geschaffen, die schnellen Überblick über die wichtigsten politischen Themen und Akteure der USA bietet.
(matrix | Janko Röttgers)
