Fujitsu Siemens setzt auf Dienstleistungen

strategie
27.08.2008

Europas größter Computerhersteller Fujitsu Siemens Computers [FSC] reagiert auf den harten Preiskampf in der Branche mit dem Wandel zu einem Dienstleister.

"Fujitsu Siemens ist schon lange kein reiner Computerhersteller mehr", sagte Deutschland-Chef Hans-Dieter Wysuwa am Mittwoch. Die Zukunft des Unternehmens liege bei den sogenannten Managed Services.

Dabei übernimmt das deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen komplexe IT-Aufgaben für seine Kunden. So betreiben die Münchener etwa riesige Datenspeicher für den Software-Konzern SAP. Diesem Trend folgt zum Beispiel auch der US-Konkurrent Hewlett-Packard, der sein Servicegeschäft zuletzt durch den Zukauf des IT-Dienstleisters EDS stark ausbaute.

Billige Geräte

Mit dem Verkauf von Computern allein ließe sich heute kaum noch Geld verdienen, sagte Wysuwa. Notebooks asiatischer Anbieter gibt es inzwischen schon für weniger als 300 Euro zu kaufen. Möglich mache dies nicht zuletzt der schwache Dollar, während Fujitsu Siemens vor allem in Deutschland produziert.

"Manche Konkurrenten verschenken ihre PCs nahezu. Da zahlt ein Großkunde nur noch 150 bis 160 Euro pro Stück." Selbst durch Größeneffekte ließe sich bei diesen Preisen kein Gewinn mehr erzielen. Und Wysuwa zeigte sich überzeugt, dass die Geräte noch billiger werden: "Bürorechner müssen ja auch weniger können. Viele Dienste werden über das Netzwerk zentral zur Verfügung gestellt."

Kein kompletter Rückzug

Ein kompletter Rückzug aus dem PC-Geschäft und die Konzentration auf Großrechner sowie Dienstleistungen - wie es IBM vorgemacht hat - stehe indes "nicht auf der Tagesordnung".

Bei den Privatkunden - die etwa 15 Prozent am Geschäft ausmachen - wolle FSC mit einem neuen "unverwechselbaren" Design punkten. "Wir wollen wiedererkannt werden."

Probleme mit neuer Notebook-Reihe

Nach den ersten paar Wochen seit dem Marktstart der neuen Notebook-Reihe könne er sagen: "Die neuen Notebooks verkaufen sich besser als die alten."

Die Umstellung verursachte allerdings auch Probleme: Zum einen habe es noch große Bestände alter Geräte bei den Händlern gegeben, zum anderen habe die Produktion der neuen Geräte nicht schnell genug hochgefahren werden können. "Es ist nicht alles so gelaufen, wie es sollte", räumte Wysuwa ein.

Nach dem ersten Geschäftsquartal von April bis Juni hatte Unternehmenschef Bernd Bischoff bereits die Jahresziele eines Umsatzes von knapp sieben Milliarden Euro in Frage gestellt.

FSC musste die Marktführerschaft in Deutschland an den taiwanesischen Wettbewerber Acer abgeben. Dieser gewann vor allem durch günstige Notebooks hinzu.

Spekulationen über Zukunft

FSC musste in der jüngsten Vergangenheit mit allerlei Spekulationen über die Zukunft des Unternehmens kämpfen. Die Medienberichte häuften sich, laut denen Siemens aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit Fujitsu aussteigen wolle.

Hintergrund waren Äußerungen des Siemens-Chefs Peter Löscher, der sich unzufrieden mit der Rendite von Fujitsu Siemens gezeigt hatte. Wysuwa betonte, das Unternehmen leide keine Not. FSC sei schuldenfrei und habe "erhebliche" Barreserven. "Wir sind nicht die arme Kirchenmaus, als die wir oft dargestellt werden."

(dpa)