Streit um chinesischsprachigen Satsender

china/EU
21.08.2008

Die EU-Kommission hinterfragt die Abschaltung des in New York beheimateten chinesischsprachigen Fernsehsenders NTDTV durch den europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat. NTDTV wurde von Anhängern der in China verbotenen Falun-Gong-Sekte gegründet.

Die für Telekommunikation zuständige Kommissarin Viviane Reding habe dem in Paris ansässigen Unternehmen einen Brief geschickt, erklärte ihr Sprecher am Donnerstag in Brüssel.

NTDTV ist seit Mitte Juni nicht mehr in China zu empfangen. Eutelsat erklärte in mehreren Pressemitteilungen, Grund sei eine technische Störung. Der für die Verbreitung des Programms in China genutzte Satellit habe einen seiner beiden Solarflügel verloren und damit nicht mehr ausreichend Energie.

NTDTV - die Abkürzung steht für New Tang Dynasty Television - wurde laut Angaben auf der Website des Senders im Jahr 2001 von Geschäftsleuten gegründet, die Anhänger der in China verbotenen Falun-Gong-Sekte sind. Der Sender verbreitet seit 2004 sein Programm via Satellit auch in der Volksrepublik China.

Technische Störung oder Vorwand?

NTDTV wirft Eutelsat vor, das Signal auf Wunsch der chinesischen Behörden abgeschaltet zu haben. Unterstützt wird der Sender von der Organisation Reporter ohne Grenzen [RSF]. RSF veröffentlichte am 10. Juli eine Mitschrift eines Telefongesprächs, das ein chinesischer Regierungsbeamter mit einem Verantwortlichen von Eutelsat geführt haben soll. Das Dokument legt nahe, dass Eutelsat eine tatsächlich erfolgte technische Störung als Vorwand genutzt haben könnte, um NTDTV abzuschalten.

Eutelsat verwies darauf, dass NTDTV auf Satelliten eines anderen Betreibers ausweichen könne. Eine Liste mit Alternativen habe man dem Sender geschickt. NTDTV-Sprecher Yves van den Hoeve sagte dazu: "Es ist eine seltsame Geschäftspraxis, Kunden an die Konkurrenz zu verweisen."

NTDTV hat seinen Hauptsitz in New York und sendet weltweit. In Europa ist das Programm weiter über Eutelsat zu empfangen.

(AP | APA | futurezone)