Handysperre durch Umsatzlimit
Die heimischen Mobilfunker behalten sich in ihren AGB vor, Anschlüsse ihrer Kunden bei ungewöhnlich hohen Umsätzen zu sperren. Die Grenzen dafür sind keineswegs einheitlich gefasst. Diese Maßnahme – eigentlich zum Schutz des Kunden gedacht - kann im wohlverdienten Sommerurlaub aber auch zu einigen Unannehmlichkeiten führen.
So erging es etwa Anfang August einem ORF.at-Leser, der im Griechenland-Urlaub von einer Sperre seines bob-Anschlusses überrascht wurde. Zwar lag dem Betreiber eine Einzugsermächtigung vor, von der aber laut bob erst am 25. des Monats Gebrauch gemacht werde. Aus diesem Grund wurde der Nutzer aufgefordert, den Betrag zu überweisen und einen Erlagschein zu faxen, was aus dem Ausland mit einigen Mühen und Ärgernissen verbunden war. Erst dann sollte die Sperre wieder aufgehoben werden.
Beim genaueren Durchforsten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen [AGB] der heimischen Anbieter fand ORF.at überall entsprechende Klauseln, nur die Limits sind unterschiedlich gesetzt.
"Schutz vor dem Rechnungsschock"
Bei bob sind es laut AGB etwa 35 Euro, in der Praxis werde bei Erwachsenen aber bei einem Betrag zwischen 120 und 180 Euro eingegriffen [bei Jugendlichen zwischen 60 und 80 Euro]. Bei A1 wird das Limit erreicht, wenn der Kunde "mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Höhe der bisherigen Verbindungsentgelte" vertelefoniert.
"Generell haben wir solche Grenzen eingezogen um Kunden vor 'Bill Schocks' zu bewahren", hieß es bei bob-Betreiber mobilkom austria auf Anfrage von ORF.at. Das könne zwar für Einzelpersonen ärgerlich sein, sei aber zum Schutz aller Kunden wichtig.
Bei A1 werde zudem nach mehreren Kriterien über eine Sperre entschieden, so seit etwa der Account-Typ ausschlaggebend: "Bei Kindern und Jugendlichen ist die Schwelle natürlich niedriger als bei Erwachsenen".
SMS oft verspätet
Informiert würden die Kunden vorab per SMS, erfahrungsgemäß kommen diese Mitteilungen aber im Ausland oft mit Verspätung oder gar nicht an. "Wir haben auch schon bemerkt, dass manche ausländische Netzbetreiber nicht so viel Wert auf die Qualität ihrer Services legen", erklärte man bei der mobilkom austria. Die mobilkom erhalte in ihrem System aber dennoch eine Empfangsbestätigung der betreffenden SMS.
Tatsächlich komme es aber bei weniger als zehn Prozent der Kunden, die per SMS über außergewöhnlich hohe Umsätze gewarnt würden, zu einer tatsächlichen Sperre.
Vor Reisen informieren
Wer im Vorfeld einer Auslandsreise bereits mit stark erhöhten Umsätzen rechnet, sollte sich bei seinem Mobilfunkanbieter über die geltenden Limits informieren und auf einen möglichen Anstieg hinweisen, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden.
Kundenverhalten wird analysiert
Beim drittgrößten heimischen Mobilfunker One liegt die Umsatzgrenze laut den Geschäftsbedingungen bei 250 Euro. "Wir sperren Anschlüsse lediglich aus Sicherheitsgründen", so One-Sprecherin Petra Jakob zu ORF.at. "Das System schreit laut auf, wenn es bei einem Anschluss deutliche Ausreißer gibt, dann sehen wir uns den Kunden individuell an."
Auch bei One werde zur Warnung ein SMS verschickt. Melde sich der Kunde darauf und gebe eine Kreditkartennummer an, werde sofort entsperrt. Für das Entsperren fallen dabei keine Zusatzkosten an.
Roaming-Umsätze zeitverzögert
Im Fall von erhöhten Umsätzen [etwa auch bei der Nutzung von Datendiensten] durch einen Auslandsaufenthalt, also Roaming-Gebühren, komme laut Jakob der Faktor Zeitverzögerung hinzu: "Ausländische Betreiber rechnen ihre Dienste verspätet ab, daher kommt die Warnung im Inland schneller."
Allzu häufig werde von diesen Sperren aber nicht gebrauch gemacht: "In letzter Zeit war das Thema Roaming so viel in den Medien, dass das Bewusstsein der Kunden stark gestiegen ist", erklärte Jakob.
Auch wenn die Roaming-Gebühren im EU-Ausland im Vorjahr gesenkt wurden, sind häufige Anrufe aus dem Urlaub weiterhin nicht zu empfehlen.
T-Mobile: Nur bei "horrenden Beträgen"
Laut den AGB von T-Mobile wird eine Sperre bereits ab 71 Euro möglich, auch hier liegt das Limit aber in der Praxis weitaus höher: "Wir machen das nicht oft", so eine Sprecherin. Das hauseigene 'Risk Management' sehe sich die durchschnittlichen Umsätze genauer an. "Wenn das öfter mal ausschlägt, wird nicht gesperrt."
"Das müssen schon horrende Beträge, also ein Vielfaches des normalen Rechnungsbetrages sein, damit es zu einer Sperre kommt, erklärt die T-Mobile-Sprecherin im Gespräch mit ORF.at. Vor der Sperre werde der Kunde verständigt. Bei tele.ring sei eine solche Sperre gar nicht vorgesehen.
Fokus auf Datendienste
Bei Hutchison Austria ["3"] verweist man zum Thema Sicherheitssperren vor allem auf den Datenbereich, wo über ein Pop-up extra informiert werde, sobald man sich in einem fremden Netz befinde. Bei unüblich hohen Beträgen komme es auch hier zur Sperre. Der Kunde werde aber bei einem Verbrauch von 50 MB im Ausland gewarnt.
Im Telefonieverbrauch gebe es keine festen Umsatzgrenzen. Hier werde eine mögliche Sperre vom individuellen Nutzungsverhalten abhängig gemacht.
(futurezone | Nayla Haddad)
