IT-Olympia: Vorbei sein ist alles

09.08.2008

Bei den Olympischen Spielen dürfen eigene IT-Disziplinen nicht fehlen. Sieger gibt es selbstverständlich keine. Denn wir wissen: Auch olympische Ringe sind letztlich nur große runde Nullen.

An diesem Wochenende können wir – sofern jemand den Smog auf Nebelstärke herunterschwächt – in Peking das Ende der Olympiade sehen. Denn dort beginnen die Olympischen Spiele 2008. Was für eine Freude, fünf Ringe wollen wir sein, wenn wir nachts vor der Glotze sitzen. Und das Schönste dabei: Dieses Jahr haben sich erstmals IT-Disziplinen im fairen Wettstreit gegeneinder angemeldet.

Nein, diesen Kollegen hier meinen wir allerdings nicht, denn das Finale im Scheinheiligen-Marathon wird man wieder absagen. Die Sieger haben nämlich bisher jedesmal aus falscher Bescheidenheit alle Auszeichnungen abgelehnt. Und Bush scheidet schon in der Vorrunde aus, weil China den Guantanamo-Joker gezogen hat.

Wir freuen uns vielmehr auf folgende neue Disziplinen:

1. Langstrecken-Misserfolg der Herren

Ganz heißer Favorit ist und bleibt das Musikbusiness mit der Übergabe der Musiksparte von Bertelsmann an Sony. Es ist also doch nicht alles Gold, das singt. Und alte Rockstars kennen keine Lieder. Schuld daran ist übrigens das Internet, nicht das Ohrenschmalz auf Silberscheiben, die keiner mehr kopieren will. Aber das ist erst der Anfang von wirklicher Zusammenbruchsgröße. Die Jungs von AOL machen vor, wie man über 13 Jahre hinweg ein sicheres Business an den Rand des Wahnsinns fährt. Das dürfte ein Homerun für die Amerikaner werden. Pech für die Bertelsmänner.

2. Vorrunde "Wir brauchen ein Internet für Reiche"

Außer Konkurrenz reist Vint Cerf nach Peking, der als angeblicher Vater des Internets und heutiger Google-Lobbyist grossartige Gedanken kurz vor dem Altersschwachsinn äußert und damit knapp neben Aussprüchen wie "Niemand hat die Absicht, eine chinesische Mauer zu bauen" liegt. Das riecht nach Disqualifikation.

3. Mash-Up-Weitwurf

Gleich wegschmeissen kann man den Link für Busse in Chicago und Stadien in Peking. Respekt für die Aussenseiter Schweden. Wer will nicht wissen, wo die dortigen TV-Sender ihre Korrespondenten sitzen haben? Es sind verdammt wenige, und: erschreckend wenige sind es in Peking. Anna-Maja Persson könnte sich wirklich in die Transsibirische setzen. Blödes Moskau, außer Gaspreisen nix los dort diesen Sommer.

4. Ultra-iPhone-Intelligenztest

Knapp werden dürfte es für ein paar ganz angefressene des App-Stores, denn dieses Programm, das nichts weiter gemacht hat ausser teuer zu sein, wurde vom Shop genommen. Nichts ausser teuer? Das erinnert mich an mein eigenes iPhone...

5. Und schließlich: Rohrkrepieren Freistil

Wenn wir schon bei Thema waren: ein wenig Reue zeigt Jesus Jobs schon, dass Mobile me ungefähr nur den technischen Standard eines Vista-Launches erreicht. Allerdings nehmen die Jungs aus Seattle sowas sportlich. Entschuldigt wird nicht, das ist für Apple-User. Deshalb dürfte der Wettkampf in dieser Runde klar durch die Mannen aus Cupertino gewonnen werden. Aber keine Angst, das nächste Windows-Live-Update kommt, sobald die Server zu rauchen aufgehört haben.

(Harald Taglinger)