IT-Industrie: Engpässe wegen Olympia
Die chinesischen Niederlassungen österreichischer IT-Unternehmen zeigen sich auf die Umstellungen durch die Olympischen Spiele gut vorbereitet. Fahrverbote und Einreisebeschränkungen erfordern kreative Planung.
Die in China tätigen österreichischen IT-Unternehmen können die finanziellen Auswirkungen aufgrund der Olympischen Spiele 2008 nur schwer einschätzen. Die neuen Sicherheits- und Umweltmaßnahmen, etwa die Visaregelung während des Events und das Fahrverbot für Lkws am Tag, brächten jedenfalls Einschränkungen, ergab ein Rundruf der APA.
"Es ist ein sehr ungewöhnliches Phänomen", "wir können noch nicht sagen, ob es Umsatzeinbußen geben wird", so Moritz Gmeiner, Sprecher der Austriamicrosysstems AG. "Wir können derzeit beispielsweise keine zusätzlichen Internet-Zugänge beantragen, dieser Dienst wurde vorübergehend eingefroren", so Gmeiner.
Das Unternehmen ist seit dem Jahr 2000 in China aktiv und eröffnete vor kurzem den vierten Vertriebsstandort. Der Hersteller von Halbleitern und Kameramodulen für Handys und PCs plane, das Vertriebsnetz vor allem in den einzelnen Regionen künftig weiter auszubauen.
Neues Werk von AT&S
Der größte heimische IT-Investor in China ist - nach Angaben von ITB Europe - Europas größter Leiterplattenhersteller AT&S mit Sitz in der Steiermark. "Das Unternehmen wird", so AT&S-Unternehmenssprecher Hans Lang, "nächstes Jahr das dritte Werk in Schanghai fertigstellen und beschäftigt derzeit 3.200 Mitarbeiter in China."
"Die Olympischen Spiele finden in Peking statt, Schanghai ist 1.000 Kilometer davon entfernt", so Lang. Die Einreisebeschränkung sei natürlich "sehr problematisch", diese kompensiere man mit Telefonaten, die ein persönliches Gespräch jedoch nicht immer ersetzen können. "Einige Dinge kann man abfangen", sagte Lang. So schicke man derzeit die Mitarbeiter mit "größeren Arbeitspaketen" nach China.
Energie- und Personalprobleme
Bezüglich der Stromreduzierung sagte Lang: "Energie ist immer ein Thema." Derzeit gebe es noch "keine akuten Probleme". Wegen des Lkw-Fahrverbots während des Tages habe man vorgesorgt und Materialien eingelagert. Auch sei die Nachtversorgung von Lkws sichergestellt.
Ein Problem, das jedoch nicht mit Olympia zu tun habe, doch die IT-Branche stark betreffe, sei die hohe Personalfluktuation in China. Der Standard liege bei durchschnittlich 20 Prozent jährlich. "Mit dem muss man rechnen, wenn man dort ansässig ist", so Lang. Grund hierfür sei die große Konkurrenz im IT-Sektor in China.
Investitionen gehen zurück
Nach einer aktuellen Erhebung der Organisation IT Business and Research in Europe [ITB Europe] sind knapp 20 österreichische IT-Unternehmen in China tätig, wobei in etwa die Hälfte auch eine oder mehrere Niederlassungen hält.
Laut Wirtschaftskammer [WKÖ] sind derzeit über 260 österreichische Unternehmen mit ca. 400 Niederlassungen in China vertreten. "Davon haben ca. 30 Prozent eine eigene Produktionsstätte", so Christina Schösser, österreichische Außenhandelsdelegierte in China.
Gemäß Statistik der WKÖ wurde 2007 um 33,3 Prozent mehr nach China exportiert als im Jahr davor. Das Exportvolumen erreichte dabei einen neuen Rekordwert von 1,64 Mrd. Euro. Die Investitionen österreichischer Unternehmer in China gingen hingegen um 46 Prozent zurück.
(APA)
