Oracle greift SAP-Management an

usa
29.07.2008

TomorrowNow-Affäre verschärft sich

Der US-Software-Konzern Oracle erhebt in seiner Klage gegen die deutsche SAP wegen des Diebstahls geistigen Eigentums nun erstmals auch Vorwürfe gegen das SAP-Management.

In einer Ergänzung zu den bisherigen Vorwürfen erklärte Oracle in einer Einlassung beim Bezirksgericht San Francisco am Montag, interne SAP-Dokumente zeigten, dass Vorstandschef Henning Kagermann und drei weitere SAP-Manager am 7. Jänner 2005 ein vertrauliches Dokument erhalten hätten, das klargemacht habe, dass das Unternehmen TomorrowNow nicht gesetzestreu arbeitete.

Das Management von SAP sei damit vor dem Kauf von TomorrowNow gewarnt gewesen, dass es dort illegale Aktivitäten gebe. SAP hatte das US-Unternehmen am 19. Jänner 2005 erworben.

Langwieriger Zivliprozess

Ein SAP-Sprecher sagte dazu, sein Unternehmen werde sich zu den Vorwürfen spätestens bis zum 11. September bei Gericht äußern. Kagermann sei zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Oracle wirft dem Walldorfer Konkurrenten vor, dass die SAP-Tochter TomorrowNow unberechtigt Software und Support-Material von Oracle-Datenbanken heruntergeladen hat.

Dadurch seien Kunden abgesprungen. SAP hat unerlaubte Datenabrufe eingeräumt. SAP will den öffentlichen Streit mit Oracle möglichst schnell außergerichtlich beilegen, beißt damit aber auf Granit bei den Amerikanern. Kommt es nicht zu einer Einigung, wird der Prozess voraussichtlich erst im Februar 2010 beginnen.

Neben dem möglicherweise Jahre dauernden Zivilprozess droht SAP in den USA auch ein Strafprozess. Oracle hat den Schaden auf eine Milliarde Dollar beziffert. Vor wenigen Tagen hatte SAP mitgeteilt, das Geschäft bei der US-Tochter TomorrowNow werde eingestellt.

(Reuters)