Die wahren "Könige des Spam"

28.07.2008

Spammer Edward Davidson, der am Freitag seine Familie und sich selbst auslöschte, und der am vergangenen Dienstag zu vier Jahren Haft verurteilte Robert Soloway waren keine großen Fische im Geschäft. Die derzeit weltweit aktivsten Spam-Gangs sitzen in Indien, Hongkong, der Ukraine und in Russland.

Die beiden "Spam-Kings", die in der vergangenen Woche in den USA Schlagzeilen machten, waren zwar keine kleinen Fische, aber zu einem Regententitel reichte es höchstens regional.

Der aus dem Gefängnis geflüchtete "Colorado Spam King" Davidson, der am Freitag Frau, Kinder und sich selbst getötet hatte, war bis zu seiner Verurteilung Ende 2007 gut im Geschäft gewesen.

3,5 Millionen Dollar

Alleine zwischen 2003 und 2006 hatte Davidson laut Gericht 3,5 Millionen Dollar verdient, sein Hauptgeschäft war dabei die "Promotion" von Penny-Stocks gewesen.

Davidson war an den Umsätzen beteiligt, die mit den Aktien dieser - meist sehr dubiosen - Firmen erzielt wurden. Hinter diesen "Insider-Tipps", die millionenfach im Netz verbreitet werden, steht zumeist Anlagebetrug.

Von einer in Houston ansässigen Firma hatte Davidson alleine für das "Pushen" der Aktien von 19 Penny-Stock-Unternehmen binnen dreier Jahre 1,4 Millionen Dollar erhalten.

Mildernde Umstände

Der am Dienstag zu 47 Monaten Gefängnis verurteilte Soloway hatte nach Schätzung des Gerichts in den drei Jahren bis zu seiner Verhaftung gerade einmal 700.000 Dollar mit Spam gemacht.

Als mildernden Umstand hatte das Gericht gewertet, dass Soloway nie Trojaner verschickt und auch keine Geschäfte mit Pornografie betrieben hatte.

Davor hatte Soloway bereits ein von Microsoft angestrengtes zivilrechtliches Verfahren verloren.

Sanford Wallace, MySpace

Der bereits in den späten 90ern als "Spam-König" aufgefallene Sanford Wallace und sein Komplize Walter Rines sind da schon andere Kaliber.

Im Mai wurden die beiden in einem von MySpace angestrengten zivilrechtlichen Verfahren zu einer Rekordstrafe von 230 Mio. Dollar verurteilt.

Die beiden Männer hatten zusammen 11.000 Profile im Sozialen Netzwerk MySpace angelegt und ahnungslose Benutzer auf Websites gelockt, wo man sich Trojaner und anderes Schadsoftware-Gelichter einfing.

700.000 Dollar pro Monat

Das wiederum lieferte den Beiden die Log-in-Daten von mehr als 300.000 existierenden MySpace-Accounts, die dann benutzt wurden, um andere User mit Spam einzudecken.

Der zu Jahresbeginn im US-Bundesstaat Virginia zu neun Jahren Haft verurteilt Spammer Jeremy Jaynes hatte laut Erkenntnis des Gerichts mit Spam auf vom US-Provider AOL gestohlenen Mailadressen pro Monat 700.000 Dollar verdient.

Spam-Jäger

Die international als "Spam-Busters" [Spam-Jäger] bekannte Organisation Spamhaus.org führt zwar die USA als Hauptherkunftsland von Spam.

Unter den aktuellen Top Ten jener Gangs und Personen, die mit Spam ihr Geld verdienen, rangiert im Moment freilich kein einziger Amerikaner.

An erster Stelle liegt die aus Indien operierende HerbalKing-Gang, die mit Werbung für "Penisverlängerungen", gefälschte Luxusware bzw. Pharmazeutika und echte Pornografie verdient.

"Fast Flux Hosting"

HerbalKing dürfte eine der technisch am besten aufgestellten Banden sein, die sogar mit "Fast Flux Hosting" operiert.

Dabei handelt es sich - sehr verkürzt gesagt - um ein technisches Set-up, das Spammer-Websites durch rasche periodische Wechsel der IP-Adresse äußerst schwer angreifbar macht.

Wenn derlei auf einem Zehntausende Rechner umfassenden Bot-Net aus gekapertern Rechnern funktionieren soll, dann ist das keineswegs trivial.

Auf den Plätzen dahinter rangieren ein Mann namens Vincent Chan aus Hongkong [Pharmazeutika] und ein Alexey mit wechselnden Nachnamen aus der Ukraine, der den wohl größten Kinderpornoring im Netz betreibt.

Weiters unter den Top Ten: eine Gang aus der Ukraine, eine aus Australien, der Rest sind Russen.

Laut Spamhaus.org sind etwas mehr als 200 Banden weltweit für 80 Prozent des Spam-Aufkommens verantwortlich.

(futurezone | Erich Moechel)