Ausblicke für Zwerge
Ist doch kein Wunder, wenn die Ausblicke der Konzerne für die nächsten Monate düster sind. Bei dem Schrott, der auf dem Markt kursiert, will man sein Geld lieber dem blinden Dudelsackspieler vor dem Fleischer-Fachgeschäft in den Hut werfen.
Wir belauschen die Unterhaltung von zwei Analysten, nachts um drei Uhr, in einer depressiv gehaltenen Nachtbar am Gürtel.
[Man hört den Pianomann den "Hummelflug" auf einem Zehntel des üblichen Beats spielen. Das macht er immer um diese Uhrzeit, vor allem seit dem Sommerworkshop mit Brian Eno 1998]
Analyst 1: [Nimmt einen tiefen Schluck "Almdudler Inferno"] Ich kann diese ewigen Jammer-Zeilen nicht mehr lesen. Den Schweden geht es schlecht, sogar in Texas herrscht eine Depression...
Analyst 2: Bitte, die gibt es noch? Von denen hatte ich meinen Schul-Taschenrechner und seitdem nix Neues.
Analyst 1: ...die verkaufen es sogar als Erfolg, dass sie in die schwarzen Zahlen zurück WOLLEN. Und, ach, ja... was soll man da noch sagen?
Analyst 2: Hast Recht. Sogar die schauen bang nach vorne. Angeblich wegen einer teuren technischen Umstellung. Bitte, wer zahlt denn deren Umstellungen jedesmal? Ich doch.
Analyst 1: Wohl richtig. Franzi, dudel mir noch einen Inferno ins Glas! Dabei muss man sich nicht wundern, wenn keine Freude aufkommen will. Bei was denn auch. Schaug: Das Web ist so blöd, dass sich wirklich jeder drin verstecken kann.
Analyst 2: Bitte, wenn sogar dieser Mist wächst und keiner weiß, was er damit machen kann. Auf der Insel sind die inzwischen Marktführer.
Analyst 1: 28 Prozent eines Arbeitstages verplempert man damit. Mir geht seitdem der Schlaf im Kopierraum extrem ab.
Analyst 2: Du bist unausstehlich geworden, meine Verehrung. Franzi, mir noch ein Kracherl. Gerührt, nicht geschüttelt!
Analyst 1: Und den Grossen fällt auch nichts mehr ein ausser kaufenkaufenkaufen. Die sind schon wie meine verehrte Gattin.
Analyst 2: Bitte, aber da lob ich mir die Kollegen von HP. Die stellen wenigstens den Weltcomputer auf die Beine. Damit wir alles immer und überall messen können, jetzt kommt er: der finale Computer.
Analyst 1: Ah, geh.
[Der Pianomann spielt vierhändig mit dem Franzi den Dritten Mann . Der Rausschmeisser.]
(Harald Taglinger)
