So werden Sie uncuil

02.08.2008

Daten, Daten, Daten! Nicht einmal tote Apple-Basic-Kassetten sind davor gefeit, von modernen Grabräubern exhumiert zu werden. Immerhin ist die Suchmaschine Cuil den Beweis angetreten, dass auch der größte Heuhaufen nichts hilft, wenn man statt Stecknadeln nur Strohhalme rausziehen kann.

Cuil.com, angeblich ausgesprochen "cool", mehr muss man nach dem Hype schon fast nicht mehr sagen. Über 121 Milliarden Websites durchsucht die Maschine von ehemaligen Google-Mitarbeitern. Es kommt nur nichts Sinnvolles dabei heraus. Wahrscheinlich ist das Web als Freitagabend-Witz im CERN erfunden worden. Weil es so herrlich viel unsinniges Zeug wissen lässt, ohne das wir nicht wissen würden, wie wenig wir wissen müssen, damit wir wissen, was andere wissen sollten.

Die Sammlungen von merkwürdigen Dingen und kritischen Gedanken gehen nur per Mausklick und in diesem Jahrhundert. Das war vorher nicht so üblich. Und in ein paar Jahren geht uns eh der Strom für Websites aus. Also genießen wir es und schauen wir uns das Heute an. Nicht das Früher. Historisch gesehen sind wir froh, dass wir von Homer keine Schriftrolle mit dem Titel Troja - lustige Bilder, fickende Götter und tiefergelegte Streitwagen besitzen.

Also heute: Jetzt weiß ich zum Beispiel, dass amerikanische Wähler wirklich und wahrhaftig an ihrem Präsidenten in spe interessiert sind. Die zehn wichtigsten Suchabfragen lauten:

1. Barack Obama

2. how old is Barack Obama

3. Barack Obama biography

4. Barack Obama young

5. Barack Obama website

6. Barack Hussein Obama

7. Barack Obama Muslim

8. Barack Obama t-shirts

9. Barack Obama's religion

10. Barack Obama blog

Nun weiß ich, warum ein Präsident gewählt wird: Alter, Religion, T-Shirts. Passt schon, geh mir weg mit dem Rest. Ähnliche Daten von der mentalen Oberfläche bekomme ich auch via "New York Times". Steve Ballmer verdient 1,2 Mille im Jahr, Steve Jobs nur einen Dollar [beide sind zur Steuer veranlagt]. Ihr Aktienvermögen sehe ich nicht, das ist ein wenig, geringfügig, ein ganz winzig kleines bisschen höher. Es bleibt aber klar, dass sich der eine mit seiner Lohntüte nicht einmal in China einen Big Mac kaufen könnte [nicht einmal dann, wenn er auf das Gürkchen verzichtet], während der andere selbst in Norwegen hinreichend satt werden könnte.

Alles eine Frage der Daten. Auch der Hype um iPhone-Applikationen. Android sieht mal wie der große Gewinner aus, und mal ist es Apple. Dabei ist das eine Handy gar nicht auf dem Markt, und das andere bekommt man so selten wie Steve Jobs einen vollen Teller. Für seinen Lohn. Den offiziellen meine ich.

Und es kann mir bisher auch niemand erklären, warum "Frauen" in Schwarzbach und Klagenfurt häufiger gesucht werden als in Graz und Wien. Oder warum weltweit der größte Bedarf nach Sex in Neu-Delhi und in Kairo besteht und nur Warschau sich unter den ersten zehn halten kann. Dazu singen wir jetzt ein Lied. Zum Beispiel das, das entsteht, wenn man den Inhalt eines Datenbands von Apples BASIC I in ein MP3 konvertiert. Das haut rein.

Anmerkung: Es gibt da ein Service, das an Geheimdienste erinnert. Du bekommst eine Nachricht als Link, und wenn du den anklickst, zerstört sich der Inhalt nach dem Lesen selbst. Zu dumm, dass Copy & Paste auf der Website funktioniert. Aber hey: Notfalls kann man immer noch den Server pulverisieren. Auf jeden Fall wären ein paar der Links es wert, NUR über diesen Service zur Verfügung gestellt zu werden.

(Harald Taglinger)