EU untersucht Klingeltonanbieter
80 Prozent der Websites, die Klingeltöne oder Hintergrundbilder für Handys anbieten, stehen nach Einschätzung der EU-Kommission im Verdacht, die Verbraucher zu betrügen.
Die zuständige Konsumentenschutzkommissarin Meglena Kunewa forderte am Donnerstag in Brüssel die nationalen Behörden der EU-Staaten auf, gegen die Anbieter vorzugehen. Sollten unklare oder irreführende Angaben zum Preis und Anbieter nicht verschwinden, müssten die Behörden die Websites schließen oder Geldbußen verhängen, sagte die Kommissarin.
Gemeinsam mit den Behörden der EU-Staaten hat die EU-Kommission Anfang Juni auf Grundlage von mehreren Beschwerden 558 Websites von Klingelton- oder Hintergrundbild-Anbietern überprüft. Davon wiesen 466 Unregelmäßigkeiten auf, wie Kunewa erläuterte. Die Hälfte der mangelhaften Websites habe sich an Kinder gerichtet. In Österreich wurden 29 Websites untersucht. Davon sollten 27 genauer unter die Lupe genommen werden, so die Kommission.
Der Trick mit dem Abo
In 50 Prozent der Fälle sei der Preis nicht klar ausgewiesen worden, bei 70 Prozent fehlten Angaben zum Anbieter, und 60 Prozent hätten mit irreführenden Angaben wie "gratis" gelockt, ohne dass die Angebote kostenlos gewesen seien. Häufig würden Konsumenten mit vermeintlichen Gratisangeboten zu einem Abonnement verpflichtet, das sie dann nicht mehr ohne weiteres abbrechen könnten, sagte die EU-Kommissarin.
Kunewa will auch die EU-Staaten in die Pflicht nehmen, nachdem der Verbraucherschutz in entsprechenden EU-Richtlinien geregelt ist. Sie werde nicht zögern, Verstoßverfahren gegen jene Staaten zu starten, die nicht gegen betrügerische Anbieter vorgingen, sagte sie. Fristen wolle sie aber keine setzen. Im Herbst will sie bei einem EU-Wettbewerbsfähigkeitsrat die zuständigen Minister auf das Problem aufmerksam machen.
Das Geschäft mit Klingeltönen ist nach Angaben der EU-Kommission ein rasant wachsender Markt. So erwirtschafte der Markt derzeit einen Umsatz von 691 Millionen Euro. 2008 werde eine Zuwachsrate von 80 Prozent erwartet, sagte Kunewa.
(APA)
