Heavy Metal für Zimmerpflanzen

festival
17.07.2008

Das Wiener Kunstfestival paraflows kümmert sich in diesem Jahr um die Zukunft von Utopien. Gemeinsam mit dem net.culture.lab wird auch ein Technikwettbewerb veranstaltet.

Die Sehnsucht nach einer utopisch-schönen Zukunft zeigt, dass es in der Gegenwart Mängel gibt: Nach diesem Credo beschäftigt sich das dritte paraflows-Festival für Digitale Kunst und Kulturen heuer mit der "Utopia". Zwischen zwei geschichtlich aufgeladenen Daten - dem 11. September und dem 26. Oktober - vermessen eine Ausstellung, Workshops und ein Symposium die heutige Welt zwischen Big Brother und der neuen Informationsutopie, zwischen zunehmender Überwachung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Versprechen einer positiven Zukunft.

Das Festival soll auf die zahlreichen Wiener Netzkultur-Initiativen hinweisen, die bisher wenig öffentliche Plattform hatten. In ihrem dritten Jahr habe sich diese Plattform bereits "international etabliert", sagte Leiter Günther Friesinger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Heuer gibt es wieder eine Ausstellung im Gefechtsturm Arenbergpark, die mit ihrem Augenmerk auf die Utopien an das Festivalthema des Vorjahres, "un_space", anknüpft. "Utopia ist auch ein nicht verfügbarer Ort", sagte Ausstellungsmacherin Judith Fegerl.

Wettbewerb für Utopien

Die Schau zeigt u. a. ein sarkastisches Reisebürokonzept für den Irak von Adel Abidin ["much more than a holiday"]. In seinem "Eden Experiment" beschallt Nikolaus Gansterer eine kleine Pflanze abwechselnd mit Death Metal und klassischer Musik, um so spielerisch Konzepte von Genetik und Evolution zu hinterfragen. Und dokumentiert wird auch jene Aktion der tschechischen Medienkünstler Ztohoven, die sich in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Tschechiens eingeklinkt und die morgendliche Wetterkamera-Abfolge mit dem Einblenden einer Atombombenexplosion aufgefettet hatten.

Das Symposium [12. und 13.9.] beschäftigt sich mit "Ambiente. Das Leben & seine Räume" und will so Lebenswelten, Raumkonzepte und Kybernetik thematisieren. In Kooperation mit dem net.culture.lab wird auch ein Utopienwettbewerb veranstaltet: Bis zum 14. September [Studierende] bzw. 2. November [Schüler] sollen Ideen eingereicht werden, die sich mit dem Spannungsfeld "zukunftzuhause" auseinandersetzen. Diese sollen dann in der Folge auch in konkrete Prototypen münden.

(APA)