Nano-Schleifmittel passiert Klärsystem

studie
15.07.2008

Eine Studie der ETH Zürich zeigt, dass Kläranlagen überraschend hohe Anteile des keramischen Nano-Schleifmittels Ceriumdioxid passieren lassen, das auch in der Computerindustrie eingesetzt wird.

Kläranlagen machen nicht allen Nanopartikeln den Garaus. Mehr als bisher angenommen passieren die biologische Reiningungsstufe und könnten so in Seen und Trinkwasser gelangen. Über die gesundheitlichen Folge herrscht aber Unklarheit.

In einer klassischen Kläranlage sollten die in der Industrie immer häufiger verwendeten Nanopartikel eigentlich im Schlamm gebunden werden. Dem ist jedoch nicht so, wie eine vom Zürcher ETH- Institut für Chemie-/Bioingenieurwissenschaften durchgeführte Studie zeigt.

Bakterien binden nicht alles

Eine "erstaunliche Menge" von 6 Prozent habe beim Versuch mit dem keramischen Nano-Material Ceriumdioxid [CeO2] die Experimentier-Kläranlage verlassen, hieß es in einer ETH-Medienmitteilung vom Dienstag. Zwar binden sich die meisten Teilchen wie angenommen an die Oberfläche der Bakterien des Klärschlamms und könnten so aus dem Wasser entfernt werden. Die Forscher waren davon ausgegangen, dass das Material zu 100 Prozent im Klärschlamm gebunden werden würde.

Ein Teil trete aber durch die biologische Trennstufe. Dafür sind ausgerechnet die Bakterien im Klärschlamm verantwortlich. Sie scheiden seifenartige Stoffe aus, damit sie selber nicht verklumpen. Diese Antiklumpenmittel und andere Komponenten des Abwassers stabilisierten gleichzeitig die Nanopartikel, indem sie deren Verklumpung verhindern.

Einsatz in Computerindustrie

Nanopartikel, die ins Abwasser gelangen, dürfen deshalb nicht als unproblematisch betrachtet werden, wie ETH-Professor und Studienleiter Jan Wendelin Stark auf Anfrage der SDA sagte. Es gebe aber auch noch ungeklärte Fragen. So werde weiter untersucht, welche Auswirkungen die chemische Reinigungsstufe der Kläranlage habe.

Weltweit werden heute in der Computerindustrie Tausende Tonnen Ceriumdioxid eingesetzt, zum Schleifen von Computerbauteilen, wie zum Beispiel Linsen von Handy-Kameras. Aber auch sonst sind die Wundermittel, die einem neuen Technologiezweig den Namen gegeben haben, weit verbreitet.

Kein Frühwarnsystem

Sie werden in Industrie und Medizin, aber auch in der Kosmetikbranche eingesetzt. Dabei handelt es sich um kleinste Teilchen [1 bis 100 Nanometer/1 Nanometer = 10 hoch -9 Meter]. Gleichzeitig werden wegen der Kleinheit zunehmend deren Gefahren für den menschlichen Organismus diskutiert, wenn sie in großen Mengen in Wasser Luft und Nahrungsmittel gelangen.

Laut Stark stellen Nanopartikel heute im Wasser noch kein Problem dar, entsprechend seien sie auch noch kaum nachzuweisen. Die wachsende Bedeutung in der Produktion könne dies aber schnell ändern. Darüber müsse sich die Forschung frühzeitig Gedanken machen, warnt Stark.

(sda | APA)