Bild: ORF/Hans Leitner

Olympiaübertragung selbst mitgestalten

10.07.2008

In knapp einem Monat starten die 29. Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking. Mit "ORF1 interaktiv" können 500 Aon-Testseher die TV-Übertragung eines Teils der 302 Bewerbe erstmals auch aktiv beeinflussen. Der Seher entscheidet mit, welche Live-Inhalte gesendet werden.

Bei dem neuen "ORF1 interaktiv"-Angebot meldet ein Feedback-System in Echtzeit, welches der Olympiaprogramme gerade von wie vielen Prozent der Zuseher geschaut wird, und der Regisseur kann sofort darauf reagieren und weitere Kanäle mit passendem Zusatzmaterial bestücken oder andere Bewerbe einspielen.

Eine der größten Herausforderungen ist dabei die möglichst einfache Bedienung über eine selbst erklärende Benutzeroberfläche.

Moderator begleitet durch das Programm

Der "ORF1 interaktiv"-Zuseher wird mittels eines eingeblendeten Moderators auf das aktuelle Programmangebot aufmerksam gemacht.

Ist ein Marathon gerade nicht so spannend, können etwa parallel auf einem zweiten Kanal Hintergrundberichte wie Interviews mit den Lauffavoriten und auf dem nächsten der Start einer Segelregatta ausgestrahlt werden. Um trotzdem nichts vom Marathon zu verpassen, informiert der Moderator sofort, wenn ein spannender Überholvorgang passiert oder der Zieleinlauf bevorsteht.

Zieht ein Bewerb die meiste Zusehergunst auf sich, kann der Regisseur den Schwerpunkt auf anderen Sendern mit Zusatzberichten noch verstärken. Genauso beim Gegenteil: Meldet das System sinkendes Interesse an einem bestimmten Programm, kann der Regisseur dem mit neuen Angeboten auf anderen Kanälen entgegensteuern und beobachten, ob die Seher das Angebot auch annehmen.

Der Aon-TV-Interaktiv-Test findet im Rahmen des EU-Projekts "Live Staging of Media Events" statt. Das Projekt ist mit einem Budget von zwölf Millionen Euro dotiert.

Neben dem ORF sind Salzburg Research, die Kunsthochschule für Medien Köln, Atos Origin, die Universität Bradford, die Universität Ljubljana, die Fachhochschule Köln und Pixelpark an dem Forschungsprojekt beteiligt.

Einsatz auch bei Wahlberichterstattung

Zwar konnte ein TV-Sender schon bisher auf mehreren Kanälen verschiedene Bewerbe zur Wahl stellen, die Auswertung erfolgte jedoch erst einen Tag später anhand der Quoten.

Neben klassischen Live-Sportübertragungen eignet sich das neue Interaktivsystem vor allem für das Übermitteln von Rundumerlebnissen wie etwa bei einem Snwoboard-Event.

"Beim Snowboarden ist der Sport nur ein Teil des Erlebnisses. Auch das Rahmenprogramm wie etwa die Konzerte oder Interviews mit den VIPs gehören dazu, um die Atmosphäre wiederzugeben", sagte John Pereira von Salzburg Research im Gespräch mit ORF.at. "Ebenso ist das System auf andere Bereiche wie etwa politische Wahlen anwendbar, um den Zuseher mit mehr Informationen und mehr Inhalten nach eigenem Interesse versorgen zu können."

Salzburg Research hat sich bei dem EU-Projekt zur Untersützung des Regisseurs auf die Suche nach passendem Archivmaterial spezialisiert. Nach dem Testlauf wird evaluiert, ob die Suchbegriffe genau genug zur Lieferung der passenden TV-Inhalte waren.

Mitmachen

Interessierte können sich bis 20. Juli kostenlos für den Interaktiv-Testlauf anmelden. Das interaktive Fernsehen wird an sechs ausgewählten Olympiatagen für jeweils sechs Stunden übertragen.