Microsoft publiziert Produktdokumentation
Microsoft hat die technische Dokumentation für die in seinen Office- und Serverprodukten verwendeten Protokolle sowie für die binären Office-Dateiformate publiziert - insgesamt 50.000 Seiten.
Microsoft hat am Montag bekanntgegeben, die Version 1.0 seiner technischen Dokumentation der in seinen Office- und Serverprodukten verwendeten Protokolle publiziert zu haben. Dazu kommen noch knapp 5.000 Seiten neuer technischer Dokumentation für die alten binären Formate von Word, Excel und PowerPoint.
Craig Shank, der bei Microsoft für das Thema Interoperabilität verantwortliche Manager, bezifferte den Umfang der auf MSDN veröffentlichten Dokumentation auf 50.000 Seiten. Diese sollten Entwicklern dabei helfen, mit Microsofts wichtigsten Produkten zu arbeiten. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte bereits im Februar 2008 angekündigt, die Schnittstellen in Microsoft-Produkten offenlegen zu wollen. Er tat dies rund eine Woche vor Bekanntgabe einer Rekordstrafe gegen Microsoft durch die EU-Kommission.
Die Entscheidung ist auch das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits mit der EU-Kommission, die Microsoft - auf Klagen von Konkurrenten wie Sun und IBM hin - wiederholt dazu aufgefordert hatte, seine Schnittstellen und Protokolle offenzulegen.
SharePoint und Office
Dokumentiert sind die Protokolle, die in Office 2007, Office SharePoint Server 2007 und Exchange Server 2007 verwendet werden. Bereits im April 2008 hatte Microsoft Teile dieser Dokumentation veröffentlicht.
Microsoft stellte auch eine Liste ins Netz, welche der publizierten Protokolle Technologien unterhalten, die von dem Konzern patentiert wurden. Closed-Source-Entwickler könnten die Patente "zu vernünftigen und günstigen" Konditionen erwerben, so Redmond.
Patentversprechen und Open Source
Microsoft unterstreicht, dass Open-Source-Entwickler, egal ob diese ein kommerzielles oder nichtkommerzielles Produkt programmieren, keine Lizenz für die patentierten Teile der publizierten Technologien erwerben müssten. Das sei vom Patentversprechen [Patent Pledge] gedeckt, das Microsoft gegenüber Open-Source-Entwicklern abgegeben habe.
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China und Kommandozeile
Weiterhin will Microsoft gemeinsam mit der Beihang-Universität in China an einem Übersetzer zwischen dem chinesischen Standard-Dateiformat Uniform Office Format [UOF] und Excel und Powerpoint [2003 und 2007] arbeiten, der es ermöglichen soll, UOF direkt aus Office heraus abspeichern zu können.
Auch an einem neuen Übersetzer von OOXML nach HTML und an neuen Kommandozeilenbefehlen für die PowerShell, die Admins bei der Abarbeitung von OOXML-Jobs helfen soll, wird gearbeitet.
Die Vorgeschichte:
Die EU-Kommission hat im Februar 2008 gegen den weltgrößten Software-Hersteller Microsoft ein neues Rekordstrafgeld von 899 Millionen Euro verhängt. Der Konzern habe Konkurrenten bis zum Oktober 2007 ungerechtfertigte Lizenzgebühren für technische Informationen berechnet.
Die Kommission hat in ihren Entscheidungen wiederholt darauf gedrängt, dass Microsoft die Schnittstellen zu seinen Produkten freigeben solle. Auch die Preise für die Interoperabilitäts-Informationen bezeichnete die Kommission seinerzeit als zu hoch.
