Einfache Bedienung als Erfolgsfaktor

lust & frust
29.06.2008

Das heikelste Stück Technik ist immer noch die Benutzerschnittstelle. Die Handhabung eines Geräts entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

Dort, wo der Anwender das Gerät berührt, wo er Informationen abliest und eingibt, entscheidet sich, ob die Maschine das tut, was sie soll.

Doch nicht, ob die Technik es kann, ist die Frage - sondern ob der Benutzer herausfindet, wie es geht. "Ich bin regelmäßig genervt, wenn ein Produkt mir suggeriert, dass ich zu dumm bin, es anzuwenden", kritisiert die Ingenieurin Anett Dylla von der deutschen Beratungsfirma Mensch-Maschine-Technik.

Es gibt Produkte, deren User-Interface durch vorbildliche Einfachheit überzeugt: Bügeleisen, Kaffeemaschinen, Haartrockner. Es gibt aber auch Geräte, die ihre Benutzer regelmäßig zur Verzweiflung bringen. Berüchtigt sind Mobiltelefone bestimmter Hersteller, Computer und die dazugehörige Software.

Viele Hersteller haben nach Meinung Dyllas bis heute nicht begriffen, wie wichtig die Bedienerfreundlichkeit ihrer Produkte für das Markenimage und die Kundenzufriedenheit ist.

Vollgestopft mit Funktionen

Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz, Professor an der Technischen Universität Berlin, wirbt allerdings auch um Verständnis angesichts mancher Auswüchse an Zusatzfunktionen und Untermenüs.

Weniger ist oft mehr

Denn gerade das Einfache ist inzwischen so schwer geworden: "Die Verführung durch die unendlich vielen technischen Möglichkeiten ist heute natürlich so groß wie nie zuvor. Deshalb gehört schon geradezu Askese dazu, auf irgendetwas verzichten zu können - sowohl als User zu verzichten auf das, was technisch möglich wäre mit einem bestimmten Gerät, aber vor allen Dingen natürlich auch als Ingenieur darauf zu verzichten, alles, was technisch möglich wäre, auch in ein bestimmtes Gerät hineinzubauen."

Es sei ein Dilemma: Apparate, die weniger können als Konkurrenzprodukte, gelten bisweilen als technisch rückständig. Geräte, die zu viel können, sind im schlimmsten Fall unbrauchbar.

Standard- und Expertenmodus

Hinzu komme, dass es zwar nur eine Bedienoberfläche gebe - aber eine unüberschaubare Bandbreite an Kunden. Eine Lösung sind Menüs, so Bolz, die eine normale Ansicht und eine Expertenansicht haben, auf die man bei Bedarf umschalten kann.

"So sind nur die Funktionen aufgelistet, die man auch wirklich sehen will. Generell gilt: Die Benutzeroberfläche muss klar gestaltet sein - und sie soll schön sein, damit sie Appetit auf die Anwendung macht. Ein intelligentes Nutzer-Interface gibt auf jeden Fall das Gefühl, man sei Herr der Technik, auch wenn man vielleicht in Wahrheit letztlich doch der Sklave der Maschine bleibt", so Bolz.

"Aber dieses Gefühl, man sei ein Souverän im Umgang mit den Technologien, ist unverzichtbar dafür, dass man Lust bekommt, sich auf die Möglichkeiten der Technik überhaupt einzulassen. Und meines Erachtens ist Lust der Königsweg zur Nutzung der modernen Technologien, was man übrigens an unseren eigenen Kindern am besten studieren kann."

(pte.at)